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Entstehung von Neurodermitis

Rund vier Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Neurodermitis. Etwa 3 % der Erwachsenen sind betroffen, bei Kindern sind es 10 bis 20 %. Bei vielen Neurodermitispatienten bricht die Erkrankung erstmals im Säuglings- oder Kleinkindalter aus, bei der Hälfte aller Betroffenen zwischen dem dritten und sechsten Lebensmonat.

Erste Hinweise auf Neurodermitis bei Säuglingen und Kindern können ein Ekzem an der Wange oder an den Streckseiten des Körpers sein. Im Jugend- und Erwachsenenalter sind meist die Beugen, z. B. an Knien oder Ellenbogen, betroffen. Auch juckende Knötchen oder ein Hand- und Fußekzem können Symptome einer Neurodermitis sein.

Besonders häufig sind Menschen betroffen, in deren Familie atopische Erkrankungen vorkommen. Dazu gehören Asthma oder Heuschnupfen, aber auch Neurodermitis. Bei rund 80 % der Neurodermitispatienten liegt eine genetische Veranlagung für diese atopischen Erkrankungen vor.

Neurodermitis ist eine chronische, nicht ansteckende Hautkrankheit. Sie ist in Abhängigkeit von ihrer Schwere z. B. gekennzeichnet durch trockene Haut, quälenden Juckreiz, gerötete und geschwollene Hautbereiche sowie aufgeplatzte Bläschen bzw. trockenen Schorf. Die Krankheit verläuft schubweise und ist auf eine Überreaktion des Immunsystems zurückzuführen. Neurodermitis entsteht durch das Zusammenwirken verschiedener Faktoren. Diese multifaktorielle Entstehung der Krankheit ist noch nicht abschließend erforscht. Neben einer genetischen Disposition spielen vermutlich Umwelteinflüsse und psychische Faktoren eine Rolle.

Die im 19. Jahrhundert geprägte Bezeichnung „Neurodermitis“ suggeriert eine Nervenentzündung („Neuro“ = Nerven, „derma“ = Haut, „-itis“ = Entzündung) – welche allerdings nach heutiger Erkenntnis nicht Ursache der Hautkrankheit ist. Heutzutage spricht man daher eher vom „atopischen Ekzem“ oder von der „atopische Dermatitis“. Der Begriff „Atopie“ beschreibt die Veranlagung zu überempfindlichen und allergischen Reaktionen, „Dermatitis“ die schubweise auftretenden Entzündungsvorgänge. Entzündung und Juckreiz sind die Hauptsymptome der Erkrankung. Akute Phasen, mit extrem juckender Haut, die z. T. blutig gekratzt wird, und chronische Phasen mit sehr trockener und verdickter Haut wechseln sich ab.

Barriere der Haut ist gestört

Auslöser für die für Neurodermitis typischen roten, juckenden Ekzeme ist immer eine Barrierestörung der Haut. Durch diesen Barrieredefekt kommt es zur Durchlässigkeit der Haut. Dies hat zur Folge, dass schädliche Bakterien und Viren leichter in die Haut eindringen können als bei Menschen mit einer intakten Hautbarriere. Die Folge: Die Haut ist nicht nur trocken, sondern entzündet sich und juckt.

Sog. Triggerfaktoren, z. B. Pollen, Bakterien oder Pilze, also Allergene, auf die Betroffene allergisch reagieren, können einen Neurodermitisschub auslösen. Neurodermitis selbst ist keine Allergie, kann aber durch Allergene hervorgerufen oder verstärken werden. Um herauszufinden, welche Allergene die Entstehung von Ekzemen begünstigen, kann ein Allergietest hilfreich sein.

Auslöser von Neurodermitis

Als Auslöser („Trigger“) der Neurodermitis bzw. der akuten Phasen der Erkrankung kommen viele unterschiedliche Faktoren in Frage. Die Betroffenen können z. B. auf Schimmelpilze, Viren, und Bakterien allergisch reagieren. Auch Hausstaubmilben können einen Symptomschub provozieren. Darüber hinaus gehören Tierhaare, bestimmte Inhaltsstoffe von Nahrungsmitteln, klimatische Bedingungen oder aber auch mechanische Reizungen der Haut, z. B. durch Textilien wie Wolle zu den potentiellen Auslösefaktoren. Diverse Chemikalien, die z. B. zur Herstellung von Kleidungsstücken verwendet werden, können dem Erkrankten ebenfalls unangenehme Überraschungen bereiten. Auch die geringe Luftfeuchtigkeit beheizter Räume kann die Haut des Patienten weiter austrocknen. Rauchen bzw. Passivrauchen sowie Stress können einen negativen Einfluss auf das Hautbild von Neurodermitispatienten haben. Generell wird davon ausgegangen, dass psychische Belastungen die Krankheit nicht verursachen, aber die Symptome verstärken können.

Lebensmittel können Ekzem auslösen

Neurodermitis kann darüber hinaus durch eine Lebensmittelunverträglichkeit oder -allergie ausgelöst werden. So können Beschwerden durch die Aufnahme des Lebensmittels hervorgerufen werden oder in seltenen Fällen auch dann, wenn die Haut mit dem Lebensmittel in Kontakt kommt. Gerade bei Säuglingen und Kleinkindern, die ein schweres Hautekzem haben, besteht häufig eine Sensibilisierung gegenüber bestimmten Lebensmitteln, wie etwa Kuhmilch, Soja, Erdnüssen oder Weizenmehl.

Ob Betroffene auf Nahrungsmittel allergisch sind, und ob diese eine Schub begünstigen, sollten Patienten mithilfe des behandelnden Arztes überprüfen. Eine umfassende Diagnostik ist unbedingt notwendig. Wichtig ist, dass Erkrankte Lebensmittel nicht einfach nach Gefühl vom Speiseplan streichen.

Derzeit geht man von ca. 3 % betroffenen Erwachsenen in Deutschland aus. Die genauen Ursachen der Entstehung der Neurodermitis sind noch nicht geklärt. Eine Erklärung ist, sass sie Haut aufgrund eines Barriereproblems anfälliger für Bakterien ist. Des Weiteren kann ggf. eine genetische Veranlagung bestehen. Auch Auslöser wie Allergene können verantwortlich sein.

Für Neurodermitisbetroffene ist es in jedem Fall wichtig herausfinden, welche Reize die Krankheit negativ bzw. positiv beeinflussen. Intensive ärztliche Betreuung und genaue Beobachtung des Krankheitsverlaufs können die individuell unterschiedlichen Auslöser der Erkrankung nachvollziehbar machen und entsprechende Behandlungsmöglichkeiten eröffnen.

Werner Sebastian Krämer
Patient und Haut 1/2018

12.09.18