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Psychische Symptome – die unsichtbare Seite der MS

Für Ärzte und Betroffene stehen bei der Diagnose MS i. d. R. zunächst die körperlichen Veränderungen im Vordergrund. Doch psychische Symptome, die mit MS einhergehen können, beeinträchtigen die Lebensqualität oft ähnlich stark. Stimmungsschwankungen, Depressionen, Ängste bis hin zu Angststörungen, kognitive Einschränkungen sowie die mangelnde Kontrolle über Gefühlsäußerungen gehören zu dieser eher unsichtbaren Seite der MS.

Zwischen 50 und 70 % der Personen mit MS entwickeln verschiedenen wissenschaftlichen Studien zufolge im Laufe ihres Lebens eine Depression. Im Bevölkerungsdurchschnitt sind es laut Bundespsychotherapeutenkammer 18 %. Mediziner führen die hohe Depressionsanfälligkeit bei MS-Kranken auf verschiedene Ursachen zurück:

  • Eine Depression kann als Reaktion auf die veränderten, als schwierig empfundenen Lebensbedingungen auftreten, die die MS mit sich bringen kann – z. B. als Folge der Unsicherheit, wie es mit dem eigenen Leben weitergeht. Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass während eines MS-Schubs das Risiko für eine Depression ansteigt.
  • Hirnorganische Veränderungen, ausgelöst durch die MS, tragen wahrscheinlich ebenfalls zu Depressionen bei.
  • Veränderungen im Immunsystem könnten ebenfalls eine Rolle spielen.
  • Einige Medikamente, die bei MS eingesetzt werden, können u. U. als unerwünschte Nebenwirkung die Entstehung einer Depression begünstigen.

Durch ihre längere Dauer und die Tiefe der Empfindungen unterscheidet sich eine Depression von depressiven Verstimmungen, aber auch von Gefühlen der Trauer und Demoralisierung. Gegenüber der bei MS häufigen Fatigue, die sich u. a. durch einen Verlust der Leistungsfähigkeit und anhaltende Müdigkeit auszeichnet, muss die Depression ebenfalls abgegrenzt werden. Zu den Symptomen einer Depression zählen Traurigkeit und Gereiztheit, Müdigkeit, mangelnde Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit, der Verlust des Interesses an Dingen des täglichen Lebens, die Unfähigkeit, Freude zu empfinden, Schlafstörungen, eine Verlangsamung des Denkens und Tuns genauso wie Gefühle der Wertlosigkeit. Viele Betroffene beschreiben die Depression als Unfähigkeit, überhaupt noch Gefühle empfinden zu können – sie fühlen sich innerlich „leer“. Kennzeichnend für eine Depression ist zudem, dass die Symptome länger als zwei Wochen andauern.

Hilfe bei Depressionen durch Medikamente und Psychotherapie

Bei Verdacht auf eine Depression sollte möglichst rasch ein Arzt aufgesucht werden. Das kann zunächst der Hausarzt sein, der bei Bedarf einen anderen Arzt oder Psychologen zurate zieht. Auch Familienmitglieder, die vermuten, ihr Angehöriger leide unter einer Depression, können einen Arzttermin vereinbaren, falls ihr Angehöriger nicht dazu in der Lage ist. Bei mittleren und schweren Depressionen ruht die Behandlung i. d. R. auf zwei Säulen: der Verordnung eines Antidepressivums einerseits und einer strukturierten Psychotherapie mit einem anerkannten Verfahren andererseits. Zu Letzteren zählt die kognitive Verhaltenstherapie, die bei Depressionen häufig zum Einsatz kommt. Sie hat u. a. zum Ziel, gedankliche Muster zu verändern, die eine Depression begünstigen. In vielen Fällen hat sich die Kombination von Medikamenten und psychotherapeutischer Unterstützung gegenüber nur einer der beiden Maßnahmen als überlegen erwiesen. Zwischen Antidepressiva und MS-Medikamenten sind bislang keine schweren Wechselwirkungen bekannt, sodass beide i. d. R. parallel genommen werden können. Einige Antidepressiva können u. U. einen positiven Einfluss auf MS-Symptome haben, z. B. könne trizyklische Antidepressiva mit anticholinerger Wirkung u. U. die Blasenfunktion (den Harnverhalt) bessern.

Wenn die Angst überhandnimmt

Etwa 30 % der MS-Kranken entwickeln nach Schätzungen von Hamburger Wissenschaftlern im Verlauf ihrer Erkrankung Angststörungen – abgesicherte Zahlen liegen noch nicht vor. Zu den Symptomen zählen u. a. innere Unruhe, Konzentrations- und Schlafstörungen, Herzrasen, plötzlich auftretende Panik. Spätestens wenn die Angst beginnt, das Leben zu bestimmen und die eigenen Handlungen einzuschränken, ist es Zeit, gegen sie vorzugehen. In manchen Fällen ist bei Angststörungen als Erstes eine medikamentöse Behandlung mit angstlösenden Mitteln (Anxiolytika) sinnvoll, um den Betroffenen in die Lage zu versetzen, eine Psychotherapie zu beginnen – z. B. falls es ihnen nicht möglich ist, ohne die vorherige Einnahme eines Anxiolytikums das Haus zu verlassen. Zur Weiterbehandlung hat sich u. a. die kognitive Verhaltenstherapie bewährt, die – vereinfacht gesagt – annimmt, dass Ängste auf eingefahrenen, negativen Denkmustern beruhen, die schrittweise verändert werden können.

Kognitive Einschränkungen

Zu den sog. kognitiven Fähigkeiten gehören u. a. die Fähigkeiten des Menschen, die mit dem Lernen, der Verarbeitung von Informationen, mit dem Lösen von Problemen, aber auch mit der Verarbeitung von Sprache zu tun haben. Die Konzentrationsfähigkeit zählt ebenfalls dazu. Von Einschränkungen in diesen Bereichen, kognitive Einschränkungen genannt, sind dem deutschen MS-Register zufolge ca. 40 % der MS-Patienten im Verlauf ihrer Krankheit betroffen. Häufig sind dies vor allem Gedächtnisstörungen (insbesondere das Merken neuer Informationen), Aufmerksamkeits- und Konzentrationsprobleme oder Schwierigkeiten, das richtige Wort zu finden (sog. Wortfindungsstörungen). Die Intelligenz ist jedoch nicht beeinträchtigt.

Ziel jeder Behandlung kognitiver Einschränkungen ist der Erhalt bestehender Funktionen, der Ausgleich von Defiziten sowie die Verringerung des individuellen Leidensdrucks. Weiteren Beeinträchtigungen soll möglichst vorgebeugt werden. Da sich die Einschränkungen von Person zu Person unterscheiden, muss die Therapie individuell zugeschnitten werden. Zu den Säulen der Behandlung gehört etwa die Anleitung zum Aufmerksamkeits-, Konzentrations- und/oder Gedächtnistraining durch geschulte Fachkräfte. Daneben gibt es z. B. bei Gedächtnisschwierigkeiten Hilfsmittel, die das Leben erleichtern. Dazu gehören handschriftliche Notizen, aber auch das Mobiltelefon und der Computer, die Informationen speichern, auf die jederzeit zurückgegriffen werden kann.

Quelle: MS 2/2012

10.10.12

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