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Diagnose eines Dekubitus

Die Diagnose eines Druckgeschwürs (Dekubitus) ist insbesondere im fortgeschrittenen Stadium keine Herausforderung, da der Dekubitus allein durch die äußerliche Begutachtung bereits gut erkennbar ist. Besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang der Früherkennung von Dekubitus, der genauen Klassifikation des klinischen Erscheinungsbildes sowie der Erkennung und Behandlung von begünstigenden Krankheitsbildern wie beispielsweise Diabetes oder Arterieller Verschlusskrankheit, zu.

Klassifikation der Schweregrade

Um nachfolgend eine auf die Schwere der Dekubitus-Erkrankung abgestimmte Therapieempfehlung zu erarbeiten ist es üblich, eine Klassifikation der vorliegenden Symptomatik durchzuführen. In der Regel wird bei einer Dekubitus-Erkrankung eine vierstufige Skala (nach Shea) zur Beurteilung herangezogen. Eine Einteilung der erkennbaren Veränderungen der Hautareale durch den Dekubitus in die verschiedenen Stadien kann anhand der Tiefenausdehnung der Gewebezerstörung erfolgen:

  • Ist auf der Haut eine begrenzte Rötung zu erkennen, die nach zwei Stunden ohne Druckbelastung nicht verschwunden ist und kann die Rötung durch einen sogenannten Fingertest, d. h. durch kurzen Druck auf die gerötete Stelle, nicht zum Verblassen gebracht werden, kann von einem Dekubitus Grad I gesprochen werden. Hierbei ist die Hautoberfläche noch intakt, gegebenenfalls besteht eine geringfügige Erwärmung der betroffenen Hautstelle durch den Dekubitus.
  • Ist die Haut bereits oberflächlich durch den Dekubitus beschädigt und ist eine Blasenbildung, Hautabschürfung oder ein flaches Geschwür zu erkennen, handelt es sich um einen Dekubitus vom Grad II. Hier ist bereits die Epidermis und beginnend auch die Lederhaut (Corium) geschädigt, der Druckschaden ist jedoch noch begrenzt und lediglich oberflächlich.
  • Bei einem Dekubitus vom Grad III sind bereits alle Hautschichten einschließlich der Unterhaut (Subcutis) bis hin zu Muskeln, Sehnen und Fettgewebe geschädigt oder nekrotisch. Klinisch zeigt sich in diesem Fall bereits eine tiefe, offene Wunde.
  • Ist die Gewebszerstörung bereits bis zu den Knochen oder der Knochenhaut vorgedrungen, kann es zu Entzündungen derselben (Osteomyelitis) kommen. Dieses tiefe Druckgeschwür bildet den schwersten Grad der Erkrankung und wird als Dekubitus Grad IV bezeichnet.

Symptome eines Dekubitus

Die betroffenen Patienten klagen häufig über Jucken, Brennen oder auch zum Teil über sehr starke Schmerzen. Bei bestimmten Grunderkrankungen, insbesondere bei Nervenschädigungen durch Diabetes mellitus oder auch bei Lähmungen kann das Schmerzempfinden der Betroffenen beeinträchtigt sein. Dies gilt insbesondere auch für Patienten, die an Demenzerkrankungen leiden, die unter dem Einfluss starker Schmerzmittel stehen oder auch für Komapatienten. In diesen Fällen ist eine regelmäßige Begutachtung der stark belasteten Körperpartien notwendig, um Druckgeschwüre bzw. Dekubitus-Erkrankungen frühzeitig erkennen zu können.

Untersuchungsmethoden

Bei einem offenen Dekubitus kann es notwendig sein, Gewebeproben zu entnehmen. Im Labor werden diese Proben feingeweblich untersucht, um eine eventuell vorhandene Keimbesiedlung zu erkennen und die therapeutischen Maßnahmen auf die Ergebnisse abzustimmen. In schweren Fällen von Dekubitus kann es notwendig sein, eine Röntgenaufnahme von eventuell bereits angegriffenen Knochenstrukturen anzufertigen, um das Ausmaß der Dekubitus-Erkrankung erkennen zu können.

Identifikation der Auslöser

Ein Dekubitalgeschwür ist keine zwingende Folge von Bettlägerigkeit. Durch die Identifikation der begünstigenden Faktoren und der nachfolgenden Änderung der Bedingungen kann im günstigsten Falle die Entwicklung eines Dekubitus verhindert, aber vor allem auch die Heilung eines bestehenden Dekubitus angeregt werden. Zu den diagnostischen Maßnahmen zählt somit die Spurensuche, aus welchem Grund der Patient an Dekubitus leidet.

Gründe für eine Dekubitus Erkrankung können in dem körperlichen und gesundheitlichen Zustand des Patienten selbst liegen, sind jedoch auch abhängig von der jeweiligen Pflegesituation. Bestimmte Grunderkrankungen können den Zustand der Haut negativ beeinflussen, sodass eine erhöhte Dekubitus-Gefahr besteht. Eine eingeschränkte Herzleistung, Gefäßerkrankungen oder auch eine eingeschränkte Lungenfunktion sind Ursache für eine verminderte Sauerstoffversorgung des Gewebes und können bereits ohne Druckbelastung zu Durchblutungsstörungen der Haut führen.

Unter Kompression kann die Entwicklung eines Dekubitus beschleunigt verlaufen. Auch eine dauerhafte Mangelernährung der Haut und des Gewebes wirkt sich ungünstig auf den Hautzustand aus und erhöht das Dekubitus Risiko. Verschiedene Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus oder Schilddrüsenfunktionsstörungen, aber auch Eiweiß- und Vitaminmangelzustände, Flüssigkeitsmangel, Blutarmut, Tumorerkrankungen und ein allgemein schlechter Ernährungszustand können dafür verantwortlich sein.

Es können auch bereits Hautschäden vorliegen, die durch ein Aufweichen der Haut infolge von Inkontinenz oder starkem Schwitzen oder auch durch Kortison-, Zytostatika- und Strahlenbehandlungen auftreten können. Bei Patienten mit besonderen Mobilitätseinschränkungen wie sie beispielsweise bei Hirn- oder Rückenmarksverletzungen, Schlaganfällen oder verschiedenen Nerven- oder auch Muskelerkrankungen auftreten können ist die Begutachtung der Pflegesituation von besonderer Bedeutung. Auch in diesen Fällen können zusätzlich zu der Immobilität weitere Erkrankungen bestehen.

Aus diesem Grunde sollte sich eine Diagnostik nicht allein auf die Begutachtung der klinischen Merkmale des Dekubitalgeschwürs beschränken, sondern auch möglicherweise vorhandene, die Entwicklung von Dekubitalschäden begünstigende Grunderkrankungen identifizieren, um eine effektive Behandlung zu gewährleisten.

Nicole Breuer

18.06.15

Diagnose
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