Die Allergie ist eine relativ häufig auftretende Erkrankung infolge einer Überempfindlichkeitsreaktion auf bestimmte Stoffe. Die Zahl der Personen, die in Deutschland unter einer Allergie leiden, hat sich in den letzten 30 Jahren verdreifacht. Schätzungen zufolge sind heute ca. 20 bis 30 % der deutschen Bevölkerung Allergiker. Die häufigste vorkommende Allergieform ist neben dem Heuschnupfen die Nahrungsmittelallergie. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Allergiearten sowie eine Vielzahl an Stoffen, die eine Allergie auslösen können.
Unter einer Allergie versteht man eine übersteigerte Reaktion des körpereigenen Abwehrsystems (Immunsystems) auf Fremdstoffe, die von außen in den Organismus eingedrungen sind. Diese Fremdstoffe sind in der Regel völlig ungefährlich und harmlos.
Hauptaufgabe des Immunsystems ist es körperfremde, schädliche Substanzen, sog. Antigene zu beseitigen und unschädlich zu machen. Bei einem gesunden Menschen trägt das Immunsystem somit maßgeblich dazu bei, den Körper gesund zu halten. Auch auf Fremdstoffe, die ungefährlich für den Organismus sind, reagiert das gesunde Immunsystem mit einer Abwehrreaktion, die allerdings in abgeschwächter Form erfolgt.
Bei einem Allergiker reagiert der Körper jedoch anders: Haben bestimmte körperfremde, aber an sich harmlose Stoffe die äußere Schutzbarriere des Körpers durchdrungen und sind in das Körperinnere gelangt, reagiert das Immunsystem nicht wie bei gesunden Menschen in abgeschwächter, sondern in übermäßiger Weise auf diese Fremdstoffe. Diese Überreaktion des Abwehrsystems führt letztlich zur Entstehung einer Allergie. Eine Allergie wird deshalb häufig auch als Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems bezeichnet.
Die Fremdstoffe, die eine allergische Reaktion auslösen, nennt man Allergene. Allergene gehören zu der Gruppe der Antigene. Antigen ist der Überbegriff für Stoffe, die vom Körper als fremd erkannt werden und eine Reaktion des Immunsystems auslösen, die im Idealfall dazu führt, dass der Fremdstoff (das Antigen) zerstört wird. Es gibt unzählige verschiedene Stoffe, die Auslöser einer Allergie sein können. Zurzeit sind ca. 20.000 unterschiedliche Allergene bekannt. Die häufigsten Allergieauslöser sind Pollen. Des weiteren zählen Hausstaubmilben, Tierhaare und Schimmelpilze zu den Allergenen, die in Deutschland am häufigsten Atemwegsallergien auslösen.
Allergene können auf verschiedene Weise in den Körper gelangen. In Abhängigkeit vom Aufnahmemechanismus, d. h. je nachdem auf welchem Weg die Allergene vom Körper aufgenommen werden, unterscheidet man folgende
Allergenarten:
Infolge einer allergischen Reaktion kann es – je nach Allergieform und individueller Empfindlichkeit – zu unterschiedlichen Symptomen an verschiedenen Stellen des Körpers kommen. Generell können sowohl lokale, d. h. auf bestimmte Körperstellen beschränkte Symptome auftreten, als auch allgemeine Beschwerden. Üblicherweise dauern die Symptome so lange an, wie die Allergene im Organismus vorzufinden sind.
Lokale Beschwerden treten meist an der Körperstelle auf, an der es zu einem Allergenkontakt, d. h. zu einer Berührung mit dem allergieauslösenden Stoff gekommen ist. Gelangen beispielsweise Blütenpollen durch Inhalation in den Körper, erfolgt der Kontakt an den Schleimhäuten der Atemwege und der Pollenallergiker reagiert mit Niesen, Schnupfen oder Atemnot. Leidet eine Person hingegen unter einer Nickelallergie und trägt beispielsweise einen nickelhaltigen Armreif, äußern sich die allergischen Symptome in Form von Hautausschlag an der Stelle am Arm, an der der Hautkontakt stattgefunden hat. Im Allgemeinen tritt eine lokale allergische Symptomatik an folgenden Stellen in folgender Weise auf: Am Auge äußern sich allergische Symptome durch Juckreiz, tränende, geschwollene und gerötete Augen und/oder durch Empfindlichkeit gegen helles Sonnenlicht und Blendgefühl. Im Nasenbereich geht eine allergische Reaktion mit Juckreiz, Niesen, laufender oder verstopfter Nase einher. Im Mund- und Rachenraum kann Juckreiz auftreten sowie die Schwellung von Lippen und Zunge; teilweise kommt es auch zu Juckreiz in den Ohren. In der Lunge kann sich eine Allergie durch Atemnot und/oder Husten äußern, der chronische Form annehmen kann. Auf der Haut können Juckreiz, Rötungen, Schwellungen und/oder Quaddeln auftreten. Im Bauchbereich kann eine allergische Reaktion Magen-Darm-Beschwerden, Verstopfung, Durchfall und/oder Erbrechen zur Folge haben.
Allgemeine Beschwerden äußern sich am gesamten Körper in Form von Juckreiz, Haut- und Schleimhaut-Schwellungen, verstärkter Wassereinlagerung im Gewebe, Blutdruckabfall durch Gefäßerweiterung sowie Verengung der Bronchien. Im schlimmsten Fall führt ein massiver Blutdruckabfall zu einem allergischen Schock, der die extremste Form der allergischen Reaktion darstellt (auch anaphylaktischer Schock genannt). Dieser Schock kann lebensbedrohliche Folgen annehmen und in seltenen Fällen sogar zum Tode führen.
1. Unterscheidung nach Allergenen und Aufnahmemechanismus
Allergien können in Hinblick auf die Stoffe, die die Allergie auslösen (Allergene), unterschieden werden bzw. hinsichtlich des Aufnahmemechanismus, durch den die Allergene in den Körper gelangen. Zu den am häufigsten vorkommenden Allergien zählen:
1.a) Inhalationsallergien/Atemwegsallergien
Heuschnupfen/Pollenallergie
Heuschnupfen bezeichnet eine Allergie gegen Pollen. Der Betroffene reagiert überempfindlich auf den Blütenstaub von windbestäubten Pflanzen, zu denen Gräser, Bäume und Kräuter zählen. Die Pollen gelangen dabei durch die Atemwege in den Organismus. Die allergische Reaktion äußert sich deshalb vor allem durch Niesattacken und verstopfte, laufende oder juckende Nase, aber auch durch gerötete, tränende oder juckende Augen. Die Beschwerden treten nur während der Blütezeit der Pflanzen auf, gegen die der Betroffene eine Allergie aufweist. Die Blütezeiten der unterschiedlichen Pflanzen fallen ungefähr in den Zeitraum Februar bis Oktober. Durch den Klimawandel bedingt beginnt heute die Pollensaison vieler Pflanzen jedoch z. T. schon deutlich früher.
Hausstaubmilbenallergie
Bei der Hausstaubmilbenallergie liegt eine Überempfindlichkeit gegen Inhaltsstoffe aus dem Kot der Hausstaubmilbe vor. Diese winzigen und harmlosen Tierchen, die sich bevorzugt in Textilien, wie beispielsweise Bettwäsche, Teppichen, Sitzpolstern etc. aufhalten, können durch ihren Kot, der mit der Atemluft eingeatmet wird, bei den Betroffenen allergischen Schnupfen, allergische Bindehautentzündung, allergisches Bronchialasthma und/oder allergische Hautreaktionen hervorrufen.
Tierhaar- und Federallergie
Im Allgemeinen können alle haar- und federtragenden Tiere Allergien auslösen. Besonders häufig tritt jedoch eine Allergie gegen Katzenhaare auf.
Dabei handelt es sich bei den allergieauslösenden Stoffen meist um Stoffe aus den Haut- oder Speicheldrüsen der Tiere, die an den Haaren haften, sich schließlich im Hausstaub wiederfinden und mit dem Staub eingeatmet werden.
Vorzugsweise äußert sich eine Tierhaarallergie in allergischem Schnupfen und/oder allergischem Bronchialasthma.
Schimmelpilzallergie
Eine Schimmelpilzallergie wird durch Überempfindlichkeit gegen die Pilzsporen bestimmter Schimmelpilzarten verursacht. Die Sporen werden eingeatmet und führen zu allergischem Schnupfen oder allergischem Bronchialasthma. Da viele Lebensmittel von Schimmelpilzen befallen sind oder mit ihrer Hilfe hergestellt werden, können bei einer Schimmelpilzallergie die Allergene nicht nur über die Atemwege sondern auch mit der Nahrungsaufnahme in den Körper gelangen. Nach dem Verzehr von schimmelpilzhaltigen Nahrungsmitteln können bei den Betroffenen Beschwerden im Magen-Darm-Bereich auftreten, die sich durch Bauchschmerzen, Erbrechen und/oder Durchfall äußern.
1.b) Nahrungsmittelallergien
Unter einer Nahrungsmittelallergie versteht man die überschießende Reaktion des Immunsystems auf bestimmte Lebensmittel, die bei der Nahrungsaufnahme in den Körper gelangen. Auslöser der Allergie können beispielsweise bestimmte Nüsse, Obstsorten oder Kuhmilch sein. Liegt eine Nahrungsmittelallergie vor, äußert sich diese nach Verzehr des Nahrungsmittels beim Betroffenen durch Hitzewallungen, Übelkeit, Atemnot, Ekzeme und/oder durch Juckreiz in Mund, Rachen, Ohren sowie ggf. durch Schwellung von Zunge und Lippen.
1.c) Injektionsallergien
Insektengiftallergie
Auslöser einer Insektengiftallergie sind meist die Gifte von Bienen oder Wespen, die durch einen Insektenstich ins Blut des Betroffenen gelangen. Die allergische Reaktion kann unterschiedlich starke Symptome auslösen, die von einer lokalen Hautreaktion an der Stichstelle bis hin zu einem lebensgefährlichen allergischen Schock reichen können.
1.d) Sonstige Allergien
Kontaktallergie
Bei einer Kontaktallergie wird durch direkten Kontakt der Haut mit einem bestimmten Stoff, beispielsweise durch kunststoff- oder metallhaltigen Schmuck oder durch bestimmte Inhaltsstoffe von Kosmetika, eine allergische Reaktion auf der Haut ausgelöst. Die betroffenen Hautpartien sind meist gerötet und geschwollen, oft tritt ein Juckreiz auf sowie eine Bildung von Ekzemen.
Kreuzallergie
Eine Kreuzallergie liegt vor, wenn eine bestehende Überempfindlichkeit auf ein bestimmtes Allergen einhergeht mit einer zusätzlichen allergischen Reaktion auf einen anderen Stoff. Besonders häufig kommen Kreuzallergien bei Pollenallergikern vor. Bei einer Allergie gegen Birkenpollen kann beispielsweise auch eine Unverträglichkeit von Äpfeln, Nüssen oder Kirschen auftreten.
Neurodermitis
Neurodermitis bezeichnet eine chronische, atopische Erkrankung der Haut.
Unter Atopie versteht man die erblich bedingte Neigung, auf Umweltfaktoren mit allergischen Reaktionen der Haut und Schleimhäute zu reagieren.
Verursacht werden kann Neurodermitis u. a. durch die Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln oder Pollen. Sie äußert sich durch Entzündungen der Haut mit Juckreiz, Rötungen, Nässen, Schuppen- und Krustenbildung. Auf der Haut bilden sich Ekzeme, d. h. flächige Entzündungen der Haut, die stark jucken.
Der Juckreiz veranlasst den Betroffenen zu kratzen, wodurch die Haut aufreißt und durch das Eindringen von Bakterien auch zu nässen beginnen kann. Durch den ständigen Juckreiz und das Aufkratzen der Haut wird diese trocken, verhornt, rissig und anfällig für Infektionen.
Allergisches Asthma bronchiale
Bei allergischem Asthma bronchiale kommt es durch Einatmen von Allergenen (z. B. Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare) zu Entzündungen der bronchialen Schleimhaut. Durch die Entzündungsreaktion schwillt die Schleimhaut an, produziert vermehrt zähen Schleim und verengt somit die Bronchien. Die Verengung der Bronchien bewirkt anfallsweise auftretende Atemnot, das sog.
allergische Asthma bronchiale. Das allergische Asthma bronchiale zählt ebenfalls zu den atopischen Erkrankungen.
Allergische Nesselsucht (Urtikaria)
Allergisch bedingte Nesselsucht tritt als allergische Reaktion auf verschiedene Allergene, wie beispielsweise bestimmte Nahrungsmittel, Insektenstiche oder Arzneimittel, auf. Sie äußert sich durch große, meist rötlich-weißliche, stark juckende Quaddeln, die binnen weniger Minuten an der Hautoberfläche entstehen und sich innerhalb von mehreren Stunden bis mehreren Tagen wieder zurückbilden. Neben der allergischen Hautreaktion können zusätzlich Magen-Darm-Probleme, Atemnot, Kopfschmerzen und im schlimmsten Falle ein allergischer Schock auftreten. Die allergische Nesselsucht ist – wie die Neurodermitis und das allergische Asthma bronchiale – den atopischen Krankheiten zuzuordnen.
2. Unterscheidung der Allergieformen nach Reaktionstypen
Allergien können nach der Art der allergischen Reaktion in vier verschiedene Formen eingeteilt werden; man unterscheidet Typ 1 (auch Sofort-Typ genannt), Typ 2, Typ 3 und Typ 4 (den sog. Spät-Typ). Der Sofort-Typ (Typ 1) und der Spät-Typ (Typ 4) zählen zu den am häufigsten vorkommenden Allergietypen.
2.a) Sofort-Typ (Typ 1)
Der Sofort-Typ (Typ 1) ist die am häufigsten vorkommende allergische Reaktion. Bei diesem Allergietyp kann die allergische Reaktion nach dem Kontakt mit dem Allergen innerhalb von nur wenigen Sekunden bis Minuten akut in Erscheinung treten. Je nach vorliegender Allergie sind die allergischen Reaktionen auf bestimmte Organe beschränkt (siehe Abschnitt „Allergische Symptome“). Es kann jedoch auch zu einer allergischen Allgemeinreaktion kommen, die sich – wie im Abschnitt „Allergische Symptome“ beschrieben – am ganzen Körper äußert (durch Juckreiz, Haut- und Schleimhaut-Schwellungen, verstärkte Wassereinlagerung im Gewebe, Blutdruckabfall durch Gefäßerweiterung sowie Verengung der Bronchien; im schlimmsten Fall führt ein massiver Blutdruckabfall zu einem allergischen Schock, der extremsten Form der allergischen Reaktion.)
2.b) Spät-Typ (Typ 4)
Bei dem ebenfalls relativ häufig auftretenden Typ 4, dem sog. Spättyp, treten allergische Reaktionen erst einen bis drei Tage nach wiederholtem Kontakt mit dem allergieauslösenden Stoff auf. Beim Erstkontakt mit dem Allergen werden bei diesem Reaktionstyp noch keine allergischen Symptome sichtbar, sondern die allergische Reaktion wird erst nach wiederholtem Allergenkontakt, der sog. Sensibilisierung, ausgelöst.
Eine Allergie ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, die behandelt werden sollte. Bleibt eine Allergie dauerhaft unbehandelt, kann es zu einer Zunahme der Beschwerden und zur Entstehung schwerwiegender Krankheiten, wie beispielsweise dem allergischen Asthma bronchiale, kommen. Bei Verdacht auf eine Allergie sollte man einen Arzt aufsuchen, um herauszufinden, auf welchen Stoff man allergisch reagiert. Ist der allergieauslösende Stoff identifiziert, können entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, die zu einer Verminderung der allergischen Reaktion und zu einer Verbesserung der Symptome beitragen.
Sandra Kirvel
29.06.06