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Essstörungen bei jugendlichen Diabetikern

Im Vergleich zu Gesunden leiden rund doppelt so viele junge Typ-1-Diabetikerinnen unter Essstörungen, zumeist Bulimie (Ess-Brech-Sucht). Generell sind jugendliche Diabetikerinnen besonders gefährdet, an Essstörungen zu leiden, so Dr. Tiller.

Im Zusammenhang mit Essstörungen bei (zumeist jungen, weiblichen) Typ-1-Diabetikern ist immer wieder vom „Insulin-Purging“ die Rede. Darunter versteht man die bewusste Verringerung der gespritzten Insulin-Dosis – so bleiben mehr Kohlenhydrate im Blut. Die Folge ist ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel, der Nerven und Gefäße schädigt. „Durch die Reduktion von Insulin kommt es über massive Glucosurie (Ausscheidung von Traubenzucker alias Glukose über den Harn durch die Niere) zur Gewichtsabnahme, zu einer schlechten Stoffwechseleinstellung und auf längere Zeit bei Nichtbehandlung der Essstörung zu früher auftretenden Folgeerkrankungen, wie z. B. Polyneuropathie, Nierenschäden, Augenprobleme etc.“, erklärt Dr. Tiller, Wien. Generell könnten bis zu 40 % der Mädchen in der späteren Pubertät oder auch junge, an Diabetes erkrankte Frauen ihre Insulin-Dosis auf diese Weise manipulieren. „Es ist bekannt, dass die Häufigkeit von Bulimie (Ess-Brech-Sucht) bei Diabetikern um 3,5 % höher ist als bei Nichtdiabetikern, wogegen die Häufigkeit der Anorexie (Magersucht) nicht erhöht ist“, so Dr. Tiller.

Warum?

Wie in den meisten Fällen hängt eine Essstörung auch bei Diabetikern u. a. mit dem Selbstwertgefühl zusammen. Ein Grund könnte sein, dass Diabetes Typ 1 zumeist im Jugendalter auftritt, also in einer ohnehin schon schwierigen Phase im Leben eines Menschen. Wenn zu den beinahe üblichen Pubertätsproblemen auch noch eine ernsthafte und fordernde Erkrankung hinzukommt, sind junge Menschen oft überfordert. „Bei fast allen Diabetikern beginnt die Essstörung nach Manifestation des Diabetes Typ 1“, bestätigt Dr. Tiller. „Ein für dieses Alter typischer Selbstwertkonflikt wird durch Diabetes verschärft. Die Essstörung kann die Antwort auf den Stress durch die chronische Erkrankung Diabetes sein.“ Denn gerade Diabetiker sind sehr mit der Thematik des Essens und Ernährens beschäftigt, was zusätzlichen Stress bedeuten kann. Dr. Tiller: „Die Familiendynamik ändert sich, es gibt mehr Kontrollen und damit eine mangelnde Autonomieentwicklung. Durch die Insulintherapie kommt es fast immer zu einer Gewichtszunahme – dies kann zu restriktivem (eingeschränktem) Essverhalten führen, in der Folge zu Heißhunger und zunehmend in den Teufelskreis der Ess-Brech-Sucht.“

Wie erkennen?

Doch wie erkennt man, dass jemand in seinem Umfeld unter Essstörungen leidet? Bei Diabetikern lassen sich in diesem Fall häufig Gewichtsschwankungen feststellen. Dr. Tiller sagt: „Eltern sollten an eine etwaige Essstörung bei erheblichen Blutzuckerschwankungen, vermehrter Sorge ums Gewicht und Unzufriedenheit mit Körper und Figur, bei zunehmender depressiver Symptomatik, bei Selbstwertproblemen und bei sozialem Rückzug denken.“ Auch wenn z. B. die täglichen Blutzuckermessungen seltener werden oder – wie bereits erwähnt – die Insulindosis manipuliert wird, könnte dies ein Hinweis sein. Hinzu kommen Heißhungerattacken oder auch Diäten.

Was tun?

Liegt der Verdacht auf eine Essstörung bei einem Diabetiker nahe, sollte man zuerst den betreuenden Arzt konsultieren und dann weitere Schritte setzen. Die Therapie muss laut Dr. Tiller immer neben der Ernährungs- und Diabetestherapie eine psychotherapeutische Betreuung beinhalten – vorzugsweise von Therapeuten mit einer speziellen Ausbildung für Essstörungen.

Auch Typ-2-Diabetiker können von Essstörungen betroffen sein, wie Dr. Tiller erklärt: „BED (Binge Eating Disorder, eine Essstörung mit periodischen Heißhungeranfällen (Fressanfällen) und Verlust der Selbstkontrolle, geht oft mit Diabetes Typ 2 einher. Die Häufigkeit ist hier deutlich höher als bei Anorexie (Magersucht) und Bulimie (Ess-Brech-Sucht).“

Quelle: Befund Diabetes Österreich 2/2015

04.11.15

Jugendliche mit Diabetes
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