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Experteninterview mit Prof. Dr. med. Eckhard Thiel

Im Rahmen unserer Interviewreihe stellen wir Prof. Dr. med. Eckhard Thiel vor. Prof. Thiel war bis zu seinem Ruhestand Direktor der Medizinischen Klinik III am Campus Benjamin Franklin an der Charité der Freien Universität Berlin.

Herr Prof. Dr. Thiel, warum haben Sie sich für den Arztberuf entschieden und was hat Sie bewogen, sich auf die Onkologie zu spezialisieren?

Prof. Thiel: Nach meinem Dafürhalten sind die Herausforderungen des Arztberufes so umfassend, dass man als Arzt das Gefühl erhält und die Befriedigung, aus seinem Leben etwas Sinnvolles zu machen, und zwar nicht nur für sich selbst. Das Medizinisch-Ganzheitliche in der Betreuung der Patienten und die besondere Herausforderung und die Fortschritte in Diagnostik und Therapie haben mich ganz und gar für die Onkologie eingenommen.

Was ist Ihnen besonders wichtig im Umgang mit Ihren Patienten?

Prof. Thiel: Das Wichtigste ist stets, dass der Patient weiß, dass ich als sein Arzt an seiner Seite bin mit offenem Ohr, Rat und Tat, wenn er mich zur Hilfe für seine Krankheit auserwählt.

Welche Behandlungsstrategien empfehlen Sie für Krebspatienten, von welchen würden Sie eher abraten?

Prof. Thiel: Bei allen Therapieempfehlungen ist maßgeblich, ob sie nach eindeutiger Meinung des behandelnden Arztes dem Patienten in seiner aktuellen und persönlichen Krankheitssituation auch wirklich weiterhelfen in puncto Linderung der Beschwerden, Verbesserung der Lebensqualität, Lebensverlängerung oder gar Heilung. Gemäß dieser Therapiechancen ist auch die Intensität der verschiedenen Therapiestrategien abzustufen. Patient und ggf. auch Angehörige sollten stets nur überzeugt werden, nicht aber „überredet“. Bisweilen kann im Falle des Zweifels der Hinweis auf eine zweite Meinung (Second opinion) durchaus hilfreich sein.

Was sind Ihrer Meinung nach Irrtümer im Wissen um die Erkrankung Krebs und Ihre Behandlung?

Prof. Thiel: Ein grundlegender Irrtum ist bei vielen Menschen und bei den meisten Patienten zu Anfang ihrer Erkrankung, dass die Diagnose Krebs gleich einem Todesurteil sei. Auch die Einschätzung bestimmter Behandlungsformen wie etwa medikamentöse Tumortherapie in Form von Chemotherapie ist häufig negativ belegt. Erstaunlich und erfreulich ist jedoch oft zu registrieren, wie das Leben der Patienten weitergeht, oft länger als gedacht und weniger schlecht als befürchtet.

Welches sind Ihrer Meinung nach die erfolgversprechendsten Forschungsansätze in der Krebstherapie und welche Erwartungen haben Sie bezüglich zukünftiger Möglichkeiten?

Prof. Thiel: Die Kenntnisse der Tumorimmunologie und damit der Immuntherapie sind nach meiner Meinung ein zunehmend wichtiger Forschungsansatz zur Krebstherapie, wie auch die Aufdeckung oft nur kleiner molekulargenetischer Störungen an Krebszellen, die gezielt mit neuen nebenwirkungsarmen Medikamenten ausgeschaltet werden können.

Welche Rolle spielen Patientenmagazine bei der Deckung des Informationsbedarfs der Betroffenen?

Prof. Thiel: Die Entscheidung zu jedweder Therapie muss immer beim Patienten liegen. In Anbetracht der gewaltigen Fortschritte im Bereich der Grundlagenmedizin und der apparativen Medizin ist es jedoch für den Patienten nicht mehr so einfach, alle Diagnose- und Therapiemöglichkeiten zu verstehen und zu überblicken. Insofern ist es für den Patienten immer wieder nützlich, insbesondere auch im Verlauf der Erkrankung, medizinisch fundierte und seriöse Informationen in geeigneter und verständlicher Form zu erhalten, wie etwa durch das Magazin Befund Krebs. Auf der anderen Seite darf nicht zu viel auf den Patienten einstürmen, insbesondere bei Diagnose der Erkrankung, um Verunsicherungen und gar Therapieverzögerungen zu vermeiden.

Vielen Dank für Ihre Ausführungen, Herr Prof. Thiel.

Quelle: Befund Krebs

17.01.08

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