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Herpes simplex

Herpes simplex ist eine wiederkehrende Entzündung mit Bläschenbildung auf der Haut oder Schleimhaut, hervorgerufen durch das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) oder 2 (HSV-2). Die häufigste Form des HSV-1 ist der Lippenherpes/Herpes labialis. HSV-2, nahezu ausschließlich über den Geschlechtsverkehr übertragen, löst den Genitalherpes/Herpes genitalis aus. Im Interview spricht Prof. Dr. Andreas Sauerbrei, Universitätsklinikum Jena, über Ursachen und Behandlungsmethoden.

Welche Faktoren erhöhen die Risiken für eine Infektion?

Ursache für die wiederkehrenden Infektionen ist eine Reaktivierung des Virus, das nach der meist unbemerkten Erstinfektion des Organismus im Kindesalter (HSV-1) oder nach der Erstinfektion mit Beginn der sexuellen Aktivität (HSV-2) lebenslang im Nervensystem verbleibt. Im weitesten Sinne erhöht jede Beeinträchtigung der körpereigenen Abwehr das Risiko für eine Infektion. Am höchsten ist das Risiko bei Personen mit gestörter Immunabwehr, wie z. B. durch Krebserkrankungen, nach Transplantationen, mit der Erkrankung AIDS oder nach Gabe von Medikamenten, die die Immunabwehr unterdrücken (Immunsuppressiva). Bei immungesunden Personen spielt eine immungenetische Disposition der betroffenen Personen eine Rolle, da nur ein bestimmter Teil der Bevölkerung regelmäßig am Herpes simplex erkrankt.

Wann ist Herpes simplex ansteckend?

Ein Herpes simplex ist so lange ansteckend, so lange Bläschen auf Haut oder Schleimhaut vorhanden sind. Die Bläschenflüssigkeit enthält große Virusmengen. Sobald die Bläschen verkrustet sind, besteht keine Ansteckungsfähigkeit mehr.

Wodurch wird Herpes simplex ausgelöst?

Zu den Faktoren, die bei „immungesunden Personen“ einen Herpes simplex auslösen, gehören endogene und exogene Stimuli wie psychischer Stress, hormonaler Stress (Menstruation), mechanische und psychische Traumen, intensive Sonnen- bzw. UV-Bestrahlung oder fieberhafte Infekte (Erscheinungen des Herpes labialis werden auch „Fieberbläschen“ genannt). Wahrscheinlich führen diese Faktoren zu nicht messbaren Veränderungen der immunologischen Abwehr. Wie bereits erwähnt, spielt eine immungenetische Disposition der betroffenen Personen eine Rolle.

Welche Symptome treten bei einer Infektion mit Herpes-simplex-Viren auf?

Erstinfektionen mit HSV-1 treten bevorzugt im Kindesalter auf, aber die allermeisten Erstinfektionen verursachen keine Erkrankung oder nur leichte respiratorische Infekte. Wenn es zu einer Erkrankung kommt, dann geht sie meistens mit einer bläschenhaften Entzündung der Mundschleimhaut einher. Ca. 15-30 % der Bevölkerung erkranken an der mit Abstand häufigsten wiederkehrenden HSV-Erkrankung, dem Lippenherpes oder Herpes labialis. Relativ selten kann eine Entzündung der Hornhaut des Auges entstehen, was zur Beeinträchtigung des Sehvermögens führt. Bei Personen mit einem endogenen Ekzem kann sich die vom Ekzem betroffene Haut infizieren.

Die häufigste Infektion durch HSV-2 ist der Genitalherpes (Herpes genitalis), eine der häufigsten sexuell übertragenen Erkrankungen. Der Erstinfektion können regelmäßig wiederkehrende Infektionen folgen. Erstinfektionen mit dem HSV während der Schwangerschaft können zu Spontanaborten oder zu schweren angeborenen Infektionen des Kindes führen. Das folgenschwerste Krankheitsbild durch HSV ist die Herpesenzephalitis, eine Entzündung des Gehirns. Wenn keine frühzeitige spezifische Behandlung durchgeführt wird, führt sie in 70 % der Fälle zum Tod. Problematisch sind Krankheitsbilder bei Patienten mit gestörter Immunabwehr. Bei diesen Personen kommt es häufig zu ausgedehnten, schlecht heilenden Haut- und Schleimhautläsionen, und es können auch innere Organe wie die Lunge, die Leber oder die Speiseröhre befallen sein.

Welche Auswirkung (auf den Körper) kann die Infektion haben?

Ein Herpes simplex kann das Wohlbefinden der betroffenen Personen erheblich beeinträchtigen. Der Genitalherpes führt meist zu erheblichen Störungen des Sexuallebens betroffener Paare. Die Erkrankung kann auch mit einer Schmerzsymptomatik verbunden sein. Bei Schwangeren kann sich die Infektion auf das ungeborene Kind und auch auf das Neugeborene auswirken.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Für die kausale Therapie stehen sog. Virostatika zur Verfügung. Sie hemmen spezifisch die Vermehrung der Viren. Aciclovir sollte vorzugsweise als Tropfinfusion bei schweren Herpesinfektionen gegeben werden, da es in Tablettenform schlecht durch den Organismus aufgenommen wird. In Tablettenform stehen Valaciclovir und Famciclovir vor allem zur Behandlung des Genitalherpes zur Verfügung. Cremes bzw. Salben auf der Basis z. B. des Virostatikum Aciclovir, werden zur Behandlung des Lippenherpes oder von Herpesinfektionen des Auges eingesetzt.

Das HSV gehört zu den menschlichen Viren, die gegenüber chemischen und physikalischen Einflüssen sehr labil sind. Eine wirksame Desinfektion zur Vermeidung der Virusübertragung (insbesondere Händedesinfektion zur Vermeidung von Kontaktinfektionen) kann deshalb mit jedem üblichen Desinfektionsmittel erfolgen. Physikalische Methoden (z. B. Erwärmung der Haut durch Lippenstift) werden auch zur Behandlung des Lippenherpes angeboten.

Welche vorbeugenden Maßnahmen gibt es, um die Infektion zu vermeiden?

Bislang gibt es noch keine wirksame Impfung, um HSV-Infektionen vorzubeugen. Die am Menschen bisher getesteten Impfstoffe haben sich als unwirksam erwiesen. Derzeit wird aber an der Entwicklung eines effektiven Impfstoffes gearbeitet. Zur Vermeidung von Infektionen des Neugeborenen kann bei Schwangeren mit Genitalherpes eine Schnittentbindung erfolgen. Unter bestimmten Bedingungen ist auch eine normale Entbindung mit der Gabe virostatischer Medikamente möglich. Schwere Herpesinfektionen bei immun-gestörten Patienten kann man mit der vorbeugenden Einnahme von Virostatika vermeiden. Mit der prophylaktischen Gabe dieser Medikamente kann auch bei häufig auftretendem Genitalherpes ein wirksamer Effekt erzielt werden.

Was sollte bei Herpes simplex während der Schwangerschaft beachtet werden?

Schwangere mit manifestem oder auch zurückliegendem Genitalherpes sollten sich in die Betreuung eines erfahrenen Frauenarztes begeben, damit notwendige Untersuchungs- und Behandlungsmaßnahmen veranlasst werden. Bedeutung sollte auch einem Genitalherpes des Partners beigemessen werden. Ein Lippenherpes stellt für das ungeborene Kind i. d. R. keine Gefahr dar.

Quelle: Patient und Haut 01/2014

26.06.14

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