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Kognitive Defizite durch Chemotherapie bei Brustkrebs?

Eine Termin vergessen, sich nicht wirklich auf ein Buch konzentrieren können oder nicht auf das richtige Wort kommen – das sind Beispiele für kognitive Schwierigkeiten, die manche Krebspatienten im Verlauf oder nach einer Chemotherapie beklagen. Vor allem bei Frauen mit Brustkrebs kommt dieses sog. Chemobrain vor.

Das Chemobrain wurde erstmals 1995 wissenschaftlich untersucht, berichtet die Pharmazeutische Zeitung – doch obwohl seither einige Untersuchungen zu diesem Phänomen durchgeführt wurden, scheint es nach wie vor unklar, bei wievielen Patienten welche kognitiven Defizite auftreten und worauf diese genau zurückzuführen sind.

Metaanalysen, das sind wissenschaftliche Studien, in denen mehrere Untersuchungen gemeinsam analysiert und zusammengefasst werden, haben beispielsweise unklare Befunde gebracht: In manchen Studien konnten die Forscher kognitive Defizite feststellen, in anderen nicht. Daher sind die Zahlen zu diesen Phänomen auch recht breit gestreut: Zwischen 17 und 75 % der Krebspatienten sollen betroffen sein, berichtet die Ärzte Zeitung. Oft sind auch Größe und Methodik der einzelnen Untersuchungen problematisch, so die Pharmazeutische Zeitung, und die Ergebnisse sind daher auf wissenschaftlichem Niveau nicht immer aussagekräftig.

Es ist jedoch nicht unwahrscheinlich, dass bestimmte Chemotherapeutika auch auf das zentrale Nervensystem wirken und dort Störungen verursachen können. In Tierexperimenten und in Zellkulturen fanden sich Hinweise darauf, berichtet die Pharmazeutische Zeitung. So war bei Mäusen die Neubildung von Nervenzellen im Gehirn durch Medikamente gestört. Zudem scheinen Chemotherapeutika bestimmte Zelltypen im Gehirn zu schädigen, wie eine Laboruntersuchung herausgefunden hat. Fraglich bleibt indes, inwieweit sich dies auf den Menschen übertragen lässt.

Neue Studie zeigt: Brustkrebspatientinnen lassen sich leichter ablenken

Im vergangenen Jahr wurde laut Ärzteblatt eine Untersuchung veröffentlicht, bei der Forscher von der Universität von British Columbia im kanadischen Vancouver vor allem auf kognitive Probleme eingingen, die im Alltag auftreten können. Dabei wurden 19 Brustkrebspatientinnen, die drei Jahre nach ihre Chemotherapie über Defizite beim Denken klagten, mit zwölf gesunden Personen verglichen. Beide Gruppen mussten sich für längere Zeit, insgesamt eine Stunde, einer Aufgabe widmen und dabei ihre Aufmerksamkeit hochhalten. Ihnen wurden zwei Reize vorgegeben – bei Erscheinen des einen Reizes sollten sie eine Taste drücken, beim anderen nicht. Da letzterer wesentlich seltener vorkam, mussten sie die ganze Zeit gedanklich dabei bleiben, um ihn nicht zu verpassen. Zwischendurch beantworteten sie Fragen zu ihrem Aufmerksamkeitsniveau, zudem schrieben die Forscher ein Elektroenzephalogramm (EEG) bei den Teilnehmerinnen.

Die Ergebnisse zeigten, dass die Brustkrebspatientinnen tatsächlich öfter abgelenkt waren als die gesunden Frauen und ihren Gedanken nachhingen. Sie hatten unterschiedlichere Reaktionszeiten und verpassten die seltenen Reize häufiger. Auch die EEG-Kurven unterschieden sich. So kamen die Forscher zu dem Schluss, dass die Brustkrebspatientinnen eher dazu neigten, nach innen zu blicken, eigenen Gedanken nachzugehen und weniger auf die Gegenwart konzentriert zu sein – und dies könnte sich auch auf den Alltag auswirken, glauben die Wissenschaftler.

Stress als Ursache?

Doch was nun genau die Ursache dieser Veränderungen ist, ist noch nicht geklärt. Einiges spricht dafür, diese nicht nur in der Gabe der Medikamente der Krebstherapie zu suchen, sondern auch in psychologischen Faktoren. So berichtet die Pharmazeutische Zeitung über eine Untersuchung, die 2015 veröffentlicht wurde. Hier stellten Forscher um Kerstin Hermelink, Uniklinik München, fest, dass Brustkrebspatientinnen bereits vor der Therapie im Vergleich schlechtere kognitive Leistungen erbringen. Die Vermutung dahinter: Auch der Stress, der mit einer Krebserkrankung einhergeht, kann sich auf die mentale Leistungsfähigkeit auswirken – dafür spricht auch der Vergleich zwischen verschiedenen Ländern.

Die Therapien ähneln sich zwar, aber in den USA beispielsweise scheint das Chemobrain häufiger und intensiver aufzutreten als z. B. in Deutschland – was nach Ansicht von Hermelink daran liegen könnte, dass die Patientinnen dort schlechter sozial abgesichert sind und so zusätzlichen Stress erfahren. Unter Stress wird beispielsweise vermehrt das Hormon Cortisol ausgeschüttet – und hier haben bereits Studien gezeigt, dass sich dieses Hormon messbar auf die Leistung des Gehirns auswirken kann.

Quelle: Befund Krebs 2/2016

19.07.16

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