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Nierenkrebs bei Kindern

Krebs kann bereits junge Kinder befallen. Deren Chancen auf Heilung haben sich in den letzten 30 Jahren von durchschnittlich 20 % auf bis zu 80 % gesteigert. Dies zeigt sich insbesondere beim sog. Wilms-Tumor. Der häufigste Nierentumor bei Kindern galt früher als tödliche Erkrankung. Heute überleben mehr als 90 % der kleinen Patienten die bösartige Erkrankung. Dieser Erfolg liege vor allem daran, dass Ärzte den Krebs nach bundesweit einheitlichen Standards bekämpfen, berichtete ein Kinderchirurg im Vorfeld des diesjährigen Chirurgenkongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Das Vorgehen ist heute Vorbild für die Erwachsenenonkologie.

Weil er rasch wächst und früh Tochtergeschwulste bildet, gilt der Wilms-Tumor, auch Nephroblastom genannt, als besonders bösartig. Der Nierentumor ist für rund 6 % aller Krebsfälle im Kindes- und Jugendalter verantwortlich. Rund 110 Kinder und Jugendliche erkranken jährlich in Deutschland daran, vor allem kleine Kinder: Circa 70 % der Patienten sind zwischen einem und fünf Jahre alt. Dennoch hat die Krankheit in den vergangenen Jahrzehnten einiges von ihrem Schrecken verloren, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie.

„Der Wilms-Tumor ist das Paradebeispiel für eine heilbare bösartige Erkrankung. Das ist eine medizinische Revolution“, sagt Prof. Dr. Udo Rolle, in diesem Jahr Tagungspräsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH). Die Ursachen für die erheblich verbesserten Heilungsraten lägen zum einen daran, dass Ärzte bei der Diagnostik und der Therapie konsequent die standardisierten Protokolle befolgen. In diesen Behandlungspfaden ist auf der Grundlage internationaler Behandlungsdaten genau festgelegt, wann welche Maßnahmen bei welcher Ausprägung des Tumors zu erfolgen haben. Zum anderen ist laut Prof. Rolle die Behandlung in interdisziplinären kinderonkologischen Zentren von wesentlicher Bedeutung.

Dabei übernehmen Chirurgen die Schlüsselfunktion, denn falls möglich, kommt es in der Regel mit einer Diagnose Wilms-Tumor zur Operation. Sie hat zum Ziel, den Tumor vollständig zu entfernen, Tumormaterial für weitere Untersuchungen zu gewinnen und zu überprüfen, wie weit sich der Tumor ausgebreitet hat. Unbedingt vermeiden sollten Chirurgen, dass der Tumor während der Operation geöffnet wird und sich im Bauchraum verstreut. „Deshalb ist es wichtig, dass die Operation von einem erfahrenen Kinderchirurgen vorgenommen wird“, sagt Prof. Rolle. Er stützt sich dabei auf Studienergebnisse, die zeigen, dass der Tumorriss bei erfahrenen Operateuren und Kinderchirurgen wesentlich seltener vorkommt und damit auch die Überlebensrate steigt.

Auch die Zusammenarbeit mit anderen Fachärzten hat zur Steigerung der Überlebensraten beigetragen: Sofern es den kleinen Patienten zumutbar ist, erfolgt bereits vor der Operation eine Chemotherapie. Sie kann den Tumor verkleinern und ihn besser handhabbar machen: „In der Fachwelt wurde das Vorgehen lange diskutiert. Wir haben jetzt eindeutige Ergebnisse, dass die vorgeschaltete Chemotherapie den Tumor nicht nur verkleinert, sondern auch das Risiko des Tumorrisses erheblich reduziert“, betont Prof. Rolle.

Von der befallenen Niere entnehmen die Operateure nur so viel wie nötig. Kinderchirurgen haben dazu chirurgische Behandlungsrichtlinien erarbeitet, die helfen, Organe so weit wie möglich zu erhalten. Auch nach der Operation ist häufig eine weitere Chemotherapie nötig, in manchen Fällen zusätzlich eine Strahlentherapie. „Die Erfolgsgeschichte bei der Behandlung des Wilms-Tumors und anderer Krebsarten bei Kindern zeigt, wie wichtig bei der Krebsbekämpfung die koordinierte Zusammenarbeit von Ärzten verschiedener Fachrichtung in spezialisierten Zentren ist“, sagt Prof. Rolle. Das Vorgehen sei heute auch Vorbild für verbesserte Behandlungskonzepte in der Erwachsenenonkologie.

Quelle: Befund Krebs 04/2013

13.04.17

Nierenkrebs bei Kindern
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