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Blasenschwäche: Strategien gegen ein drängendes Problem

Rund fünf Millionen Deutsche leiden unter Blasenschwäche, Frauen sind davon häufiger betroffen als Männer. Bei den 40- bis 50-Jährigen sind es rund 25 %, aber auch 10 % der 20 bis 30-Jährigen leiden darunter. Dahinter verbirgt sich eine sog. Belastungs- oder Dranginkontinenz. Möglich ist aber auch, dass beide Formen der Inkontinenz gemeinsam auftreten. So peinlich und unangenehm den Betroffenen ihr Problem auch sein mag, so wichtig ist es, sich Hilfe zu suchen.

Die Gründe, wann und warum Inkontinenz auftritt, sind vielfältig. Hinter der Entleerung der Blase steckt ein fein aufeinander abgestimmtes System, an dem Gehirn, Rückenmark, Nerven und Muskeln beteiligt sind. Gibt es innerhalb dieses Systems Schwachstellen, funktioniert die Harnabgabe nicht mehr wie gewünscht.

Bei Belastungsinkontinenz Beckenboden trainieren

Bei einer Belastungsinkontinenz (auch Stressinkontinenz genannt) kann es zur unfreiwilligen Abgabe von Harn kommen, z. B. beim Husten, beim Tragen, beim Sport oder beim Lachen. Betroffene verspüren also keinen Harndrang, dennoch wird in diesen Situationen Urin ungewollt abgegeben. Dahinter steckt meist ein zu schwacher Beckenboden. Denn: Der Beckenbodenmuskel hat u. a. die Aufgabe, den Blasenmuskel zu stützen. Ist er durch Schwangerschaft, Geburt, hormonelle Veränderungen (z. B. in den Wechseljahren) oder auch Operationen geschwächt, kann er diese Stützfunktion nicht mehr ausreichend erfüllen.

Um das Problem in den Griff zu bekommen, sollten Frauen vor allem den Beckenboden trainieren. Physiotherapeuten, Volkshochschulen und Sportvereine können helfen, Übungen einzustudieren, die dann auch bequem in den Alltag eingebaut werden können. Der Vorteil ist, dass das Beckenbodentraining für andere nicht sichtbar ist. So können z. B. auch an der Kasse im Supermarkt ein paar Übungseinheiten eingebaut werden. Wichtig ist, dass sich Betroffene die Übungen zunächst von einem Experten erklären lassen. Erster Ansprechpartner ist hier i. d. R. der behandelnde Gynäkologe. Er kann ein Rezept ausstellen, das Übungseinheiten bei einem geschulten Physiotherapeuten vorsieht.

In besonders schweren Fällen kann auch eine Operation zum Einsatz kommen. Hier gibt es unterschiedliche Techniken, die dazu führen sollen, dass Blase und Harnröhre besser gestützt sind. Der Arzt kann außerdem Medikamente verordnen. Bevor Operation und die Einnahme von Arzneimitteln in Betracht gezogen werden, sollten Frauen allerdings zunächst versuchen, mithilfe des Beckenbodentrainings ihr Problem in den Griff zu bekommen.

Toilettentraining gegen Dranginkontinenz

Beckenbodentraining dieser Art hilft in einigen Fällen auch bei Dranginkontinenz, bei der das wesentliche Problem darin besteht, dass Betroffene einen ganz plötzlichen Harndrang verspüren und den Urin nicht zurückhalten können – obwohl die Blase noch gar nicht voll ist. Hintergrund dieser Art von Inkontinenz können häufige Harnwegsinfektionen sein, die die Blase reizen. Darüber hinaus kann, wie bei der Belastungsinkontinenz auch, der Mangel am weiblichen Geschlechtshormon Östrogen nach den Wechseljahren eine Dranginkontinenz begünstigen. Möglich ist zudem, dass sie es sich um eine neurologische Begleitsymptomatik bei Erkrankungen wie Multipler Sklerose, Parkinson oder Alzheimer handelt. Denn, wie bereits erwähnt, sind auch zahlreiche Nerven an der Steuerung des Harnabgangs beteiligt.

Eine Therapie gegen Dranginkontinenz ist ein gezieltes Toilettentraining, bei dem Frauen zu festen Zeiten zur Toilette gehen und auch eine festgelegte Menge an Flüssigkeit zu sich nehmen. (Grundsätzlich gilt: Auf keinen Fall zu wenig trinken!) So kann die Blase u. U. wieder lernen, sich zunächst auszudehnen und den Urin aufzunehmen und dann erst zu entleeren, wenn sie voll ist, da die Abstände zwischen den Toilettengängen dabei i. d. R. schrittweise vergrößert werden. Zudem gibt es auch gegen Dranginkontinenz Medikamente, die der Mediziner verschreiben kann. Möglich ist auch das Einsetzen eines Blasenschrittmachers, der hilft, eine an die Urinmenge angepasste Entleerung zu steuern.

Lässt sich, trotz aller durchgeführten Maßnahmen, ein ungewollter Abgang von Urin nicht verhindern, gibt es zahlreiche Hilfsmittel, die den Urin gut auffangen können. Frauen können sich hier beim Arzt, aber auch in Apotheken und Sanitätshäusern, beraten lassen. Ggf. werden die Kosten auch von den Krankenkassen (z. T.) übernommen. Ob dies der Fall ist, sollten Betroffene am besten im Vorfeld klären.

Zur Verfügung stehen Vorlagen, aber auch Einmalunterhosen, die bereits eine Vorlage enthalten, sowie spezielle Inkontinenzslips. Diese Hilfsmittel können helfen, den Alltag zu meistern. Denn: Ungewollter Urinabgang bedeutet Stress – vor allem in der Öffentlichkeit. Betroffene ziehen sich deshalb oft zurück, können Unternehmungen und Hobbys nicht mehr in gewohnter Weise nachkommen. Hilfsmittel können da eine gute Unterstützung sein, da Betroffene keine Sorge haben müssen, dass die Blasenschwäche für andere sichtbar wird.

Quelle: Deutsches Magazin für Frauengesundheit 1/2018

26.07.18