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Coping – was ist das?

Der Begriff Coping stammt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie bewältigen, überwinden. Er umfasst alle Bewältigungsstrategien, die Menschen anwenden, um mit einem als belastend empfundenen Lebensereignis zurechtzukommen. Zu den Maßnahmen, die ein Mensch ergreifen kann, um belastende Erlebnisse zu meistern, gehören Handlungen, aber auch die Änderung von Überzeugungen und Einstellungen. Wer eine Situation zunächst als „furchtbar“, nach dem Einholen von Informationen jedoch nur noch als „halb so schlimm“ einschätzt, hat mit dem Einholen von Informationen erfolgreich eine Coping-Strategie angewendet.

Menschen mit MS müssen im Verlauf der Krankheit häufig belastende Situationen bewältigen. Zuerst die Diagnose und damit die Furcht vor dem, was die Krankheit mit sich bringen kann, bei Fortschreiten der MS körperliche und kognitive Einschränkungen, die Angst davor, wie sich die private und berufliche Situation entwickelt, die Furcht vor Behinderungen – Betroffene sind immer wieder neuen Herausforderungen ausgesetzt und müssen mit ihnen zurechtkommen.

Coping-Modell

Wie Menschen mit Schwierigkeiten umgehen, hängt dem sog. transaktionalen Stressmodell von (Richard) Lazarus zufolge zunächst davon ab, wie sie die Situation bewerten – etwa als Herausforderung, als Bedrohung oder als Schädigung bzw. Verlust. Im Anschluss daran setzen sie verschiedene Coping-Strategien ein – sie versuchen das Problem zu lösen, indem sie sich z. B. informieren. Sie versuchen, die eigenen Emotionen durch verschiedene Maßnahmen unter Kontrolle zu bekommen (z. B. dadurch, eine Nacht über ein Problem zu schlafen), und sie probieren aus, ob sich das Problem/die Situation vielleicht anders – positiver – bewerten lässt. Diese verschiedenen Strategien können nacheinander, zusammen oder auch einzeln angewendet werden. Nach Durchführung einer oder mehrerer Coping-Strategien wird die Situation schließlich unter den neuen Gesichtspunkten noch einmal betrachtet. War die Bewältigungsstrategie erfolgreich, wird die Situation nicht länger als bedrohlich empfunden, es lässt sich leichter mit ihr leben. Bewältigungsstrategien, die sich in verschiedenen Situationen bewährt haben, werden daher erneut eingesetzt, schleifen sich sozusagen ein. Doch nicht immer helfen bewährten Coping-Muster. Dann heißt es, neue zu finden. Doch manchmal helfen auch diese nicht. Das kann u. U. Angststörungen oder auch Depressionen nach sich ziehen. Deshalb ist es in solchen Situationen sinnvoll, sich Hilfe von außen zu suchen.

Nichts ist besser oder schlechter

Menschen, die die Diagnose MS erhalten und im Verlauf ihrer Krankheit körperliche oder kognitive Einschränkungen erfahren, sind zahlreichen Belastungssituationen ausgesetzt. Verschiedene Studien haben sich damit auseinandergesetzt, welche Persönlichkeitsmerkmale hilfreich sind, um mit der Krankheit und ihren Folgen besser zurechtzukommen. Dabei kam heraus, dass unklar ist, welche Eigenschaften günstig sind. Als einziges Merkmal zeigte sich eine Veranlagung zum optimistischen Denken (nicht zu verwechseln mit unrealistischem positivem Denken) als förderlich für die Annahme der Krankheit heraus.

Das Gleiche gilt für Coping-Strategien: Was dem einen hilft, bringt dem anderen nichts. Deshalb gibt es auch nicht die eine günstige Bewältigungsstrategien für alle. Wichtig ist jedoch, dass eine Bewältigungsstrategie in dem Moment, in dem die belastende Situation auftritt, dazu beiträgt, sich selbst wieder zu fangen und die Situation anzunehmen bzw. mit ihr zurechtzukommen. Funktioniert das nicht, gelingt es auch nach geraumer Zeit nicht, die Situation zu meistern, ist es angezeigt, sich Hilfe zu suchen.

Wer hilft, MS und ihre Folgen zu bewältigen?

Im besten Fall zeigen zunächst die Ärzte, die die MS diagnostizieren bzw. behandeln, ihren von MS betroffenen Patienten, dass das Leben auch mit MS lebenswert ist und körperliche oder andere Einschränkungen behandelt oder kompensiert werden können – etwa durch Hilfsmittel. Doch i. d. R. haben Ärzte in der Klinik oder der Sprechstunde zu wenig Zeit, um diese Funktion zu erfüllen. Deshalb ist es sinnvoll, sich weitere „Komplizen“ zu suchen, um der MS besser zurechtzukommen. Das können etwa Physio- und Ergotherapeuten sein, die gemeinsam mit den MS-Kranken ein genau auf den jeweiligen Patienten zugeschnittenes Bewegungstraining entwickeln, dass die körperlichen Folgen abmildert bzw. dabei hilft, körperliche Funktionen zurückzugewinnen. Auf diese Weise erfahren die Patienten, dass sie selbst etwas tun können, um ihre Krankheit besser zu kontrollieren. Kontrolle über das eigene Leben, den eigenen Körper und damit das Gefühl der Selbstwirksamkeit spielen Studien zufolge nämlich eine wichtige Rolle dabei, die MS und ihre Folgen zu bewältigen. Auch eine Rehabilitationsmaßnahme, die die MS ganzheitlich, d. h. Körper, Geist und Seele gleichermaßen betrachtet, hilft vielen Patienten beim Coping.

Natürlich ist es auch wichtig, über MS und ihre Folgen mit jemandem zu reden. Dass die Familie dabei einbezogen wird, ist klar, doch gerade die nächsten Angehörigen sind häufig damit überfordert, einzige Ansprechpartner für ihre von MS betroffenen Familienmitglieder zu sein. Denn die Diagnose MS trifft auch sie unmittelbar. Ab dem Zeitpunkt der Diagnose ist stellen sie sich ähnliche Fragen wie der Betroffene: Wie geht es weiter? Kann das von MS betroffene Familienmitglied weiter arbeiten? Welche Einschränkungen sind wir als Familie unterworfen? Welchen Einfluss hat die Krankheit auf Partnerschaft und Elterndasein? Können wir das schaffen?

Deshalb sollten MS-Kranke (aber auch ihre Angehörigen) weitere Menschen suchen, mit denen sie sich über die MS und ihre Ängste austauschen können. Das können einerseits Freunde und Bekannte sein, doch auch die sind nur bis zu einem bestimmten Grad belastbar. Sinnvoll ist es, zusätzlich eine Selbsthilfegruppe gleichfalls Betroffener aufzusuchen. Dort treffen MS-Patienten auf Menschen, die das Gleiche erlebt haben, die wissen, wie sich bestimmte körperliche Einschränkungen anfühlen können, die die Ängste nachvollziehen können, die mit der Krankheit verbunden sind, und Erfahrung darin haben, die Folgen der MS zu bewältigen. Bei der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) erhalten Betroffene die Adresse der nächsten Selbsthilfegruppe in ihrer Nähe. Wer zunächst nur mit einer Person reden möchte, bekommt dort auch die Telefonnummer von Ansprechpartnern vor Ort.

Haben Betroffene das Gefühl, dass sie nicht mehr ein noch aus wissen, kann auch eine psychologische Psychotherapie helfen. Oft sind aber die Wartezeiten sehr lang. U. U. kann es dann sinnvoll sein, in eine Klinik zu gehen und sich dort behandeln zu lassen. Mithilfe psychotherapeutischer Verfahren und einer medikamentösen Behandlung gelingt es oft, wirksame Coping-Strategien zu entwickeln, die dazu beitragen, dass der Patient nicht in seine alten Muster zurückfällt.

Quelle: Befund MS 3/2016

07.03.17

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