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Die GfG-Mütterpflegerin – eine Tätigkeit mit Perspektive

In Werbespots für Windeln oder Babynahrung werden frischgebackene Mütter durchgängig glücklich und strahlend dargestellt. Und auch der Anspruch von Familie und Bekannten der jungen Mutter lautet – wenn auch oft unausgesprochen: Du hältst ein gesundes Baby im Arm, was sind dagegen schon die körperliche Erschöpfung nach der Geburt und die neuen Anforderungen, der Schlafmangel – das schaffen andere ja wohl auch.

Doch wie sieht die Realität aus?

Mit dem Ende der Schwangerschaft und dem Beginn der neuen Lebensphase ist die frischgebackene Mutter meist sofort wieder in den Alltag eingespannt. Eventuell müssen ältere Geschwisterkinder, auf jeden Fall aber der Haushalt versorgt werden. Und das in einer Zeit, die sich Wochenbett nennt und damit einen Hinweis auf den angebrachten Aufenthaltsort einer jungen Mutter gibt.

In unserer modernen Leistungsgesellschaft scheint der Gedanke, dass eine junge Mutter sich nach der Geburt schonen, sich Zeit nehmen soll, um im noch ungewohnten Leben mit dem Baby und dem vielleicht fremd erscheinenden Körper anzukommen, überholt. Auch die Frauen selbst stellen oft zu hohe Ansprüche an sich selbst. Der Haushalt soll laufen wie vorher, die Figur möglichst schnell wieder die alte sein.

Oft kommen noch organisatorische Gründe hinzu, die Ruhe und Muße einfach nicht zulassen. Der Vater ist meist nur wenige Tage von der Arbeit freigestellt und muss nach kurzer Zeit wieder ins Berufsleben zurückkehren. Dann ist die Mutter, die sich noch in der Rekonvaleszenz befindet, auf sich allein gestellt. Aber Schwangerschaft und Geburt bedeuten eine enorme körperliche Anstrengung, auch nach einem Kaiserschnitt, der immerhin eine Operation ist und damit keinesfalls einen „leichteren“ Weg darstellt, ein Kind auf die Welt zu bringen.

Vor allem in Großstädten können die jungen Eltern nicht mehr auf ein stützendes Netzwerk aus Verwandten, Nachbarn und Freunden zurückgreifen, um sich die eigentlich benötigte Hilfe zu holen. In den meisten Fällen würden menschliche Zuwendung, ein offenes Ohr für die Sorgen, eine helfende Hand ausreichen, um Überforderung zu vermeiden und den Start für die junge Familie zu erleichtern.

Hebammen betreuen junge Mütter im Wochenbett

Die Wochenbettbetreuung durch die Hebamme ist gesetzlich geregelt. Die Anzahl der Wochenbettbesuche in den ersten zehn Tagen orientieren sich am Bedarf. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Kind zu Hause, im Geburtshaus oder in der Klinik geboren wurde. Danach geht die Betreuung bis zum Ende der 8. Woche je nach Bedarf weiter, es können bis zu 16 Besuche abgerechnet werden. Auf ärztliche Anordnung sind Hebammenbesuche auch nach der 8. Woche möglich (z. B. wenn das Kind nach der Geburt noch längere Zeit in der Kinderklinik verbracht hat). Während der gesamten Stillzeit ist die Hebamme Ansprechpartnerin zu Themen wie: Zufüttern, Kinderernährung, Fragen zum Abstillen usw. Leider wird es für junge Mütter aber immer schwieriger, eine Hebamme zu finden, die sie im Wochenbett betreuen kann. Der Berufsstand der Hebammen ist großem finanziellen Druck ausgesetzt, nicht wenige freiberufliche Hebammen geben dieser Tage auf.

Für die Zeit vor und während der Geburt gibt es Doulas, die die Mütter bemuttern – auf englisch „mothering the mother“. Doch wer sorgt sich um die junge Mutter in der Zeit danach? Im afrikanischen und arabischen Kulturraum ist es z. B. noch üblich, dass Nachbarinnen oder weibliche Verwandte der jungen Mutter stärkende Mahlzeiten kochen und sich mit um Haushalt und ältere Geschwisterkinder kümmern. Das ist hierzulande eher die Ausnahme. Diese Lücke können Mütterpflegerinnen füllen.

Was ist eine Mütterpflegerin?

Seit über 30 Jahren arbeitet die Gesellschaft für Geburtsvorbereitung Familienbildung und Frauengesundheit Bundesverband e. V. aktiv mit an einer Verbesserung der Rahmenbedingungen für junge Eltern und Frauen in verschiedenen Lebensphasen. Wir sehen in den letzten Jahren einen steigenden Bedarf an Unterstützung und Beratung vor allem junger Mütter. Viele sind verunsichert im Umgang mit Säuglingen aufgrund der Fülle von Literatur, Kursen und Ratgebern.

Diesen Bedarf ins öffentliche Bewusstsein zu tragen ist uns ein großes Anliegen, denn in dieser Lebensphase werden existenzielle Weichen für das weitere Zusammenleben in der Familie gestellt. Eine Frau, die in der ersten Zeit zu Hause von einer Mütterpflegerin unterstützt wird, geht gestärkt aus dieser Situation hervor. Sie kann eine kürzere Aufenthaltsdauer im Krankenhaus planen oder sich für eine ambulante Geburt entscheiden. Die Zuwendung durch die Mütterpflegerin kann dabei helfen, eine postpartale Depression gar nicht erst entstehen zu lassen bzw. diese rechtzeitig zu erkennen. Überforderung kann präventiv begegnet werden, indem die Mütterpflegerin praktische Anregungen für alltägliche Situationen anbietet.

Frauen, die bereits auf diesem Gebiet tätig sind, spüren den steigenden Bedarf an gut ausgebildeten Mütterpflegerinnen, die kompetent und einfühlsam auf die Bedürfnisse junger Mütter eingehen können. Seit ca. zwei Jahren bieten wir daher die Weiterbildung zur GfG-Mütterpflegerin an.

Eine Mütterpflegerin übernimmt teilweise die Tätigkeiten einer Haushaltshilfe, hat darüber hinaus aber Fachkenntnisse z. B. in den Bereichen Wochenbett, Stillen, Säuglingspflege, Rückbildung, Ernährung, Salutogenese, Stressabbau und Entspannung. Sie nimmt sich Zeit für Gespräche, kann beim Ausfüllen von Anträgen und Behördengängen helfen, sich um ältere Geschwisterkinder kümmern oder sie kocht eine stärkende Suppe für die junge Mutter. Die Mütterpflegerin übernimmt aber nicht die Aufgaben einer Hebamme oder Familienhebamme.

GfG-Mütterpflegerinnen führen keine medizinischen Handlungen durch oder stellen Diagnosen. Damit ist die Tätigkeit deutlich von der Versorgung durch Hebammen abgegrenzt, ergänzt diese aber sinnvoll. Der jeweilige Bedarf wird von der Mütterpflegerin individuell mit der jungen Mutter abgestimmt.

Die Tätigkeit in der Mütterpflege erfordert eine hohe Kompetenz, Empathie und spezifische Fachkenntnisse. Denn wie oben beschrieben, geht die Arbeit weit über die Tätigkeit einer Haushaltshilfe hinaus. Aus diesem Grund ist die Weiterbildung in der jetzigen Konzeption auch nur bereits zertifizierten GfG-Familienbegleiterinnen® und GfG-Doulas® zugänglich. Ein eigenständiger Weiterbildungsgang GfG-Mütterpflege® ist allerdings in Planung.

Was macht eine Mütterpflegerin?

Bezahlt wird der Einsatz einer Mütterpflegerin bisher über die Krankenkassen als Haushaltshilfe. Die Leistungssätze bewegen sich dabei zwischen 8 und 16 Euro pro Stunde. Diese Einstufung wird allerdings der Vielschichtigkeit der Aufgabe, die weit über die Tätigkeit einer Haushaltshilfe hinausgeht, nicht gerecht. Hier gilt es, das Bewusstsein der Kostenträger zu schärfen und vor allem auf politischer Ebene bessere Rahmenbedingungen vorzubereiten, die die Bezahlung der Mütterpflegerinnen und einen Anspruch aller jungen Mütter auf die Kostenübernahme dieser Leistung umfassen. Denn wir sehen den Bedarf nicht nur bei Familien, die im Rahmen früher Hilfen unterstützt werden. Jede junge Mutter hat ein Recht auf praktische und seelische Unterstützung im Wochenbett und darüber hinaus.

Wer Kinder in dieser Gesellschaft willkommen heißen möchte, muss Mütter besser unterstützen. Frauen entscheiden, ob und wann sie ein Kind möchten. Sinnvolle Unterstützungsstrukturen wie die Kostenübernahme für eine Mütterpflegerin spielen dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle als politisches Signal.

Kerstin Vaziri-Elmoghir
GfG
Gesellschaft für Geburtsvorbereitung Familienbildung und Frauengesundheit
Bundesverband e. V.
Pohlstr. 28, 10785 Berlin
Tel.: 0 30-45 02 69 20
Fax: 0 30-45 02 69 21

Quelle: Deutsches Magazin für Frauengesundheit 1/2015

15.01.16

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