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Auswahl eines Wohn- oder Pflegeheims

Da Multiple Sklerose in vielen Fällen bereits in relativ jungen Jahren auftritt, besteht je nach Krankheitsverlauf die Möglichkeit, dass der Patient sich bereits in einem recht jungen Alter nicht mehr selbst zu Hause versorgen kann. Auch die Versorgung durch Angehörige kann vielfach nicht den Bedürfnissen des Erkrankten gerecht werden. In diesen Fällen kann ein Umzug in ein Wohn- oder Pflegeheim sinnvoll sein. Dies bringt vielfältige Veränderungen für den Patienten mit sich, sodass bereits im Vorfeld des Umzugs einige Fakten beachten werden sollten.

Für MS-Patienten, gerade mit einer chronisch progredienten Verlaufsform der Krankheit, die mit einer zunehmenden Behinderung einhergeht, ist der Einzug in ein Pflege- oder Wohnheim in manchen Fällen eine sinnvolle Alternative. Dies bedeutet, dass man sein gewohntes Lebensumfeld verlässt und sein Leben in einer vollkommen neuen Umgebung weiterführt. Der Umzug kann somit eine psychische Belastung darstellen. Gerade deshalb gilt es viele Punkte zu beachten, die für die Lebensqualität der kommenden Jahre wichtig sind.

Die Wahl des Pflegeheims

Der Umzug in ein Heim bedeutet nicht nur den Auszug aus der gewohnten Umgebung. Gleichzeitig wird man als einer unter vielen auch mit anderen kranken oder alten Menschen konfrontiert. Bei der Wahl des neuen Wohnorts ist es wichtig, dass man seine eigene Persönlichkeit weiter entfalten und aufrecht erhalten kann und sich nicht zu sehr einschränken muss. Man muss wahrscheinlich den einen oder anderen Kompromiss eingehen, aber man muss und darf nicht seine gesamte Persönlichkeit ablegen. Daher sollte man vor der Wahl eines Wohn- und Pflegeheims darauf achten, dass dieses den individuellen Ansprüchen des Patienten entgegenkommt. Entscheidend kann dabei z. B. die Lage sein, ob man sich für ein Wohnheim in der Stadt oder auf dem Land entscheiden möchte. Hierbei sollte man sich nach den bisherigen Lebensgewohnheiten und Wünschen des Patienten richten. Bei der Wahl eines Wohnheims sollte aber an erster Stelle die Spezialisierung des Heims stehen. Ein MS-Patient sollte eine auf seine Krankheit spezialisierte Pflegeeinrichtung wählen.

Hier ist gewährleistet, dass die Pflege speziell der Krankheit angepasst ist. MS-Patienten neigen dazu sich zurückzuziehen und von der Außenwelt abzukapseln. Dem sollte das Pflegepersonal entgegenwirken und das Gespräch mit den Bewohnern suchen. Genauso wichtig ist, dass die Beweglichkeit von Bewohnern mit Multipler Sklerose so weit wie möglich erhalten bleibt. Dazu gehört auch, dass der Bewohner die tägliche Körperpflege soweit wie möglich, ggf. unter Hilfestellung, selbst durchführt und sich selbst kleidet. Darüber hinaus benötigen MS-Bewohner eine spezielle Pflege in den Bereichen Nahrungsaufnahme, Schlaf- und Ruhephasen sowie auch Sexualität. Alle diese Punkte sollten bei der Pflege von MS-Betroffenen eine wichtige Rolle einnehmen.

Nicht nur Wohnen

Das Heim ist nicht nur Wohnraum, sondern auch Lebensraum. Aufgrund der Erkrankung und je nach fortgeschrittener Behinderung wird es dem Bewohner eventuell nicht möglich sein, das Heim häufig zu verlassen. Man muss also auch darauf achten, dass nicht nur der Wohnraum selbst für den Betroffenen angenehm ist, sondern auch, dass das Freizeitangebot dem zukünftigen Bewohner zusagt. In nahezu allen Wohn- und Pflegeheimen gibt es ein mehr oder weniger großes Freizeitangebot, welches aber von Haus zu Haus variiert. Nicht immer kann beim Angebot auf den einzelnen Bewohner eingegangen werden, allerdings kann und sollte bei der Wahl des Heims schon auf das Freizeitangebot geachtet werden. Sollten z. B. fast nur Spiele angeboten werden, so wäre ein solches Heim für einen Patienten, der sich bis dahin eher kreativer Freizeitgestaltung widmete, kaum die richtige Wahl.

Das Personal

Ob man sich in einem Wohn- und Pflegeheim wohl fühlt, hängt auch vom dort tätigen Personal ab. Auch bezüglich dessen kann man sich im Vorfeld bereits einen ersten Einblick verschaffen. So sollte man bei der Betrachtung eines Heims vor dem Einzug (wozu in jedem Fall dringend zu raten ist), auf gewisse Kleinigkeiten achten. Es ist hilfreich, wenn der Betroffene oder seine Angehörigen vor dem Besuch eine Art Fragekatalog ausarbeiten. Die Art und Weise, wie auf die Fragen eingegangen wird, gibt schon erste Rückschlüsse auf das Personal und die Philosophie des Wohnheims. Weicht das Personal den Fragen aus oder antwortet mit Floskeln (z. B.: „Es wird schon alles gut werden“), kann dies darauf hindeuten, dass auch später individuelle Fragen, Anliegen oder Probleme nicht ernst genommen werden.

Vor dem Einzug sollte man sich nicht nur mit der Leitung und dem Pflegepersonal unterhalten, sondern auch das Gespräch mit Bewohnern suchen. Die Sichtweise anderer Bewohner kann ggf. zusätzliche, interessante Details offenbaren. Auf jeden Fall erhält man aber eine Einsicht, ob sich andere Bewohner hier wohl fühlen. Es empfiehlt sich, wenn möglich, mit mehr als einem Bewohner zu sprechen, um auch unterschiedliche Ansichten zu hören. Ein Blick auf die Einrichtung selber zeigt, ob es z. B. offensichtliche Missstände gibt. Diese können erste Anzeichen für niedrige Qualitätsstandards sein, wobei auch zu beachten ist, dass es sich auch um kurzzeitige Mängel handeln könnte. Es gilt also, das Gesamtbild zu betrachten. Summieren sich die negativen Punkte, gibt es z. B. bauliche Mängel und das Personal antwortet sehr oberflächlich und ausweichend, so lässt dies auf eher niedrige Qualitätsstandards schließen.

Fazit

Letztlich ist die Wahl eines Wohn- und Pflegeheims immer eine persönliche Wahl und der Betroffene muss sich dort wohl fühlen. Dies sollte die oberste Priorität darstellen. Die Selbstbestimmung des Erkrankten sollte keinesfalls in Frage gestellt werden, weshalb auf seine Wünsche zu achten ist. Denn der Erkrankte muss in dem Heim wohnen und es ist wichtig, dass er seine Entscheidung aktiv treffen kann. Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) und deren Landesverbände können Ihnen z. B. bei der Suche nach auf MS spezialisierten Pflegeeinrichtungen behilflich sein.

Heiko Mühlfarth

aus Befund MS 3/2007

13.12.07

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