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Das Leben geht weiter Portrait einer MS-Betroffenen

Carola Himmel ist seit mehreren Jahren an Multiple Sklerose erkrankt. Während ihrer Therapie hat sie bemerkt, dass ihr die Aufzeichnung ihres Lebens hilft, sich mit der Krankheit intensiver auseinander zusetzen.

„Ein Tagebuch, das ist ein idealer Begleiter. Wenn man das Niedergeschriebene dann noch einmal liest, kommt einem vieles kleiner und banaler vor, als es vorher den Anschein hatte.“ Carola Himmel ist seit vielen Jahren glücklich verheiratet, hat zwei Kinder und war jahrelang mit Leib und Seele Lehrerin. Im Beruf oder im Privatleben wollte sie schon immer perfekt sein und die sportlichen Aktivitäten, wie das Wandern, Gymnastik, Rad fahren oder Tanzen gehörten einfach zu ihrem Leben dazu.

Doch eines Tages hat sich ihr bisheriges Leben schlagartig geändert. Sie hatte das Gefühl, als würde sie wie eine Marionettenpuppe an Fäden hängen. Dieses Gefühl wurde sie nicht mehr los, bis sie schon bald nicht mehr problemlos gehen konnte. Da sie eine geborene Optimistin ist, hat sie zuerst angenommen, dass dieses Problem nur von kurzer Dauer sei und sich wieder aufheben würde. Doch in ihrem Innern wuchs die Besorgnis von Tag zu Tag, als die Sehkraft in ihrem linken Auge nachließ. „Die Angst, die mich dann ergriff, ist kaum zu beschreiben.“ Carola Himmel suchte deshalb einen Arzt auf, der ihr die Gewissheit gab, dass alle Symptome, die sie im Verlauf der Jahre in ihrem Körper bemerkt hatte, auf Multiple Sklerose hindeuten.

Diagnose: Multiple Sklerose

Ist es nicht so, dass man sich mit dem Verlauf einer Krankheit nicht beschäftigt, solange man von ihr nicht betroffen ist? Genau dies traf auch auf Carola Himmel zu. Sie hatte zwar schon den Namen dieser Krankheit gehört, aber darüber hinaus hatte sie überhaupt keine Vorstellung, wie Multiple Sklerose entsteht und welche Risiken diese Krankheit mit sich bringt. Der Arzt ihres Vertrauens hat sie jedoch über den Verlauf der Krankheit informiert und hat ihr die Angst ein wenig nehmen können.

Heute weiß Carola Himmel, dass eine regelmäßige Kur sehr wichtig ist, damit sich das allgemeine Wohlbefinden stabilisieren kann. Sie nimmt regelmäßig an der täglichen Krankengymnastik teil, bekommt Wechselbäder, die ihr sehr gut tun, sie macht Sport zum allgemeinen Muskelaufbau und bekommt zweimal pro Woche eine Großmassage, die sie wärmstens jedem MS Patienten empfehlen kann.

Carola Himmel spürt in sich die Veranlagung, sich sowohl geistig als auch körperlich zu verausgaben. „Ich wollte die Bestätigung, dass ich lebe“, so Carola Himmel. Deshalb verfolgte sie früher das Ziel, sich trotz Krankheit zu Höchstleistungen zu motivieren, um Anerkennung und Selbstbestätigung zu finden, doch ihr Körper bremste sie aus. Bei der Hausarbeit ließen ihre Kräfte mit der Zeit immer mehr nach, sodass sie ihr Gleichgewicht nicht mehr unter Kontrolle hatte. Früher war sie dann reizbar, traurig und mit sich unzufrieden, als sie die Anforderungen, die an sie gestellt wurden, nicht erfüllen konnte. „Ich hatte ständig das Gefühl jeder beobachtet mich. Ich wollte mich durch besondere Stärke gegen diese Schwäche auflehnen“.

Ein weiterer Faktor, der zu Carola Himmels Unwohlsein beigetragen hat und in ihr eine Welt zusammenbrechen ließ, war der, dass sie ihren Beruf nicht mehr nachgehen konnte und der Beruf bedeutete ihr viel. Sie hat immer versucht, die Schüler auf den richtigen Weg zu lenken, um sie so zu selbstständig denkenden und gebildeten jungen Menschen zu erziehen. Ihr Beruf war zugleich Berufung.

Das Leben geht weiter

Carola Himmel brauchte lange Zeit, um sich mit der Krankheit und ihren weiteren Zukunftsplänen auseinander zu setzen. Wann immer etwas nicht nach ihren Vorstellungen abgelaufen ist, hat sie es als persönliche Niederlage verstanden.„Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, mich ständig rechtfertigen zu müssen, dass ich bestimmte Dinge nicht mehr kann, obwohl ich sie im tiefsten Innern aber nur allzu gern noch tun möchte.“

Es kam irgendwann die Zeit, in der sie lernte, sich mit Misserfolgen auseinander zu setzen und eine Zeit, in der sie das Bedürfnis hatte, sich für eine gute Sache einsetzen zu müssen und gebraucht zu werden. „Ich allein konnte diesem Leben, meinem Leben, einen sinnerfüllten Inhalt geben.“ Angeregt durch einen Aushang in einer Kurklinik, organisierte sie eines Tages eine Blutspendeaktion mit anschließendem Festmahl. Auch an späteren Veranstaltungen war sie wieder beteiligt, wobei die Organisation einer Feier heute fast schon eine therapeutische Wirkung hat.

Carola Himmel versucht sich heute ohne Leistungsdruck weiterzubilden, wobei sie von ihrer besten Freundin unterstützt wird und Carola lässt sich gerne von ihr lenken. Von ihrem Mann, ihren beiden Kindern und ihren Eltern, die in der Nähe wohnen, bekommt Carola die meiste Unterstützung, sodass sie nie das Gefühl hat, abseits zu stehen. Carola Himmel glaubt, dass man mit dieser Krankheit sowohl Höhen als Tiefen besonders intensiv durchlebt und wenn man niedergeschlagen ist, kann ein Gespräch ein wenig Abhilfe verschaffen. „Es gibt sie diese Momente, in denen ich mir nichts sehnlicher wünsche, als dass ich von der Angst nicht so sehr gelähmt werde, sodass die Depressionen die überhand gewinnen und ich daran zerbreche. Oft frage ich mich, ob es überhaupt möglich ist, die Unsicherheit und die Angst, die mich gelegentlich verzweifeln lässt, in Worte zu fassen, ohne dass es kritisch und melodramatisch wirkt.“ Falls man niemanden hat, mit dem man reden kann, helfe es ihrer Meinung nach, in besonders schlimmen Zeiten zu einem Stift und Papier zu greifen und sich alles von der Seele zu schreiben.

Carola Himmel möchte jeden MS Patienten dazu ermutigen, sich ein Hobby zu suchen, aber auch Freundschaften zu schließen oder zu erneuern. „Man sollte immer versuchen, allem eine positive Seite abzugewinnen, nur dann kann man mit eventuellen Depressionen fertig werden.“ Solange es ihr möglich ist, will sich Carola Himmel weiterbilden und Veranstaltungen organisieren. Sie hofft, dass sie MS Patienten mit ihrer Geschichte ermutigen kann, sodass ihnen bewusst wird, dass jeder trotz der Erkrankung sein Leben in den Griff bekommen kann, auch wenn es manchmal Augenblicke gibt, in denen man Angst hat. Angst, irgendwann mal nicht mehr die Kraft zu haben alles zu bewältigen.“

Katharina Jankowski

17.08.06

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