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Psychische Auswirkungen bei MS

Menschen mit MS erkranken häufiger als der Bevölkerungsdurchschnitt an Depressionen. Auch Angststörungen sind bei ihnen weit verbreitet. Eine Studie der Universität Cambridge ergab, dass ca. 32 % aller MS-Patienten im Verlauf ihrer Krankheit von Angststörungen betroffen sind. Daneben treten bei vielen an MS Erkrankten Konzentrationsstörungen oder andere kognitive Störungen wie Beeinträchtigungen der Merkfähigkeit oder der Aufmerksamkeit auf.

Inwiefern die durch die MS hervorgerufenen körperlichen Veränderungen Depressionen oder Angststörungen nach sich ziehen, ist bislang noch nicht vollständig geklärt, ein Zusammenhang wird jedoch vermutet. Kognitive Störungen wie Konzentrationsstörungen, sind oft eine Folge der MS. Zur Entstehung von Depressionen und Angststörungen tragen auch körperliche Veränderungen bei, die die MS mit sich bringen kann, sowie das Gefühl, der Krankheit ausgeliefert zu sein.

Depressionen und Angststörungen erkennen

Niedergeschlagen ist jeder Mensch von Zeit zu Zeit. Ebenso hat jeder ab und an Angst, so auch Menschen mit MS. Die körperlichen Begleiterscheinungen der MS können z. B. Trauer sowie Ängste hervorrufen. Depressionen und Angststörungen aber unterscheiden sich von diesen normalen seelischen Zuständen. Bei einer Depression hält die gedrückte Stimmung über einen längeren Zeitraum an, unabhängig von den äußeren Umständen. Betroffene sind antriebsarm bis antriebslos, fühlen sich schnell überfordert, verlieren das Interesse an Dingen, die ihnen zuvor Freude bereitet haben, und haben oft das Gefühl einer inneren Leere.

Selbst alltägliche Verrichtungen (z. B. das Aufstehen) fallen ihnen schwer, sie können sich oft schlecht konzentrieren, fühlen sich müde, haben aber trotzdem häufig Schlafstörungen. Gewichtsverlust oder aber eine Gewichtszunahme können ebenfalls mit einer Depression einhergehen. Und auch Schmerzen und ein verminderter Sexualtrieb gehören u. U. zu den Symptomen einer Depression. Hinzukommen häufig Ängste und in manchen Fällen auch Selbstmordgedanken. Halten diese Gefühle über einen Zeitraum von mehr als 14 Tagen an, kann dies u. U. ein Hinweis auf eine Depression sein, und es ist sinnvoll, einen Arzt aufzusuchen.

Angststörungen können sich auf verschiedene Weise äußern. Es gibt die sog. Panikstörung, die mit Panikattacken und schweren körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Schweißausbrüchen, Erstickungsgefühlen, Bauchschmerzen und Übelkeit, aber auch der Furcht, verrückt zu werden, einhergehen kann. Sie tritt plötzlich und/oder in bestimmten Situationen (z. B. in Menschenmengen, im Fahrstuhl) auf. Daneben gibt es die sog. generalisierte Angststörung, bei denen die Angst den ganzen Tag über latent oder mit körperlichen Symptomen vorhanden ist. Betroffene sorgen sich viel, können schlecht schlafen und haben häufig das Gefühl, dass sie kurz vor einer Katastrophe stehen. Daneben gibt es sog. Phobien, bei denen Betroffene Angst vor konkreten Situationen, Tieren, Gegenständen oder anderen Objekten haben. Phobien spielen bei MS jedoch eine eher untergeordnete Rolle. Gemeinsam ist Depressionen und Angststörungen, dass sie das Leben der Betroffenen stark einschränken.

Konzentrationsschwäche und andere kognitive Störungen bei MS

Kognitive Störungen treten bei rund 40 % der von MS Betroffenen im Verlauf der Krankheit auf. Die funktionellen Veränderungen im Gehirn, die durch die MS hervorgerufen werden, können sich ganz unterschiedlich äußern. So haben manche MS-Patienten Probleme mit der Aufmerksamkeit – ihnen gelingt es oft nur noch unzureichend, unwichtige Informationen (z. B. Nebengeräusche) auszublenden, sodass sie sich nicht länger auf das Wesentliche konzentrieren können. Die Aufmerksamkeitsstörung geht dann häufig mit einer Konzentrationsschwäche einher. Doch Konzentrationsstörungen können auch getrennt davon auftreten. Häufig kommt es bei MS auch zu Problemen mit der Merkfähigkeit oder der Wahrnehmung. Wesensveränderungen werden durch die MS selbst i. d. R. nicht hervorgerufen, doch als Folge kann sich das Verhalten eines an MS Erkrankten nach und nach ändern. Auch eine Depression oder eine Angststörung führt zu Verhaltensänderungen.

Behandlung von Depressionen und Angststörungen bei MS

Sowohl Depressionen als auch Angststörungen sollten so schnell wie möglich behandelt werden, denn sie beeinträchtigen das Leben stark. Eine Depression kann u. U. lebensgefährlich sein. Depressionen und Angststörungen führen gleichermaßen häufig dazu, dass sich Betroffene aus dem sozialen Leben zurückziehen. Das wiederum verstärkt die Problematik in vielen Fällen zusätzlich. Allein lässt sich eine Depression oder Angststörung i. d. R. nicht bewältigen – professionelle Hilfe ist dringend notwendig.

MS-Betroffene, bei denen über einen Zeitraum von 14 Tagen Symptome für eine Depression auftreten, sollten sich daher unbedingt an ihren Arzt wenden. Eine Depression wird i. d. R. medikamentös, mithilfe einer psychologischen Psychotherapie oder durch eine Kombination von beiden medizinischen Maßnahmen behandelt. Vielfach steht die Gabe von Medikamenten, den sog. Antidepressiva, an erster Stelle, denn auf die Schnelle ist es meistens nicht möglich, einen passenden Therapeuten zu finden, der offene Termine für die Behandlung hat. Bei Antidepressiva unterscheidet man zwischen Wirkstoffen, die antriebssteigernd wirken, und anderen, die eher beruhigen und z. B. auch das Schlafverhalten fördern. Da nicht alle Medikamente bei jeder Form von Depression gleich wirksam sind, ist es u. U. notwendig, nach einigen Wochen auf ein anderes Antidepressivum umzusteigen, sollte das erste die Symptome nicht lindern. In jedem Fall ist es zugleich mit der Diagnose sinnvoll, zusätzlich sofort einen Termin mit einem Psychotherapeuten zu vereinbaren, denn gerade bei schweren Formen der Depression hat sich die Kombination aus der Einnahme von Antidepressiva und Psychotherapie bewährt. Leider ist nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich, ob Therapeut und Patient zueinander passen. Das lässt sich in den ersten Sitzungen, den sog. probatorischen Sitzungen, herausfinden. Stellt sich heraus, dass sich der Patient mit dem Therapeuten nicht wohlfühlt oder dessen Arbeitsweise nicht geeignet erscheint, um einen Therapieerfolg zu erzielen, besteht die Möglichkeit, den Therapeuten zu wechseln.

Zur Behandlung von Angststörungen eignet sich besonders die kognitive Verhaltenstherapie, eine Form der Psychotherapie, bei der Patienten Denkmuster deutlich werden sollen, die der Angst zugrunde liegen. Patienten lernen, diese aktiv zu verändern. Auch hier gilt: Es ist nicht immer leicht, einen Therapieplatz zu finden, weshalb zunächst häufig Medikamente, darunter ebenfalls Antidepressiva und – bei schweren Angsterkrankungen – angstlösende Mittel, sog. Anxiolytika, eingesetzt werden. Letztere können abhängig machen, weshalb sie oft nur für einen überschaubaren Zeitraum oder für den Einsatz in Angst auslösenden Situationen verordnet werden.

Behandlung von kognitiven Störungen

Eine, den sicheren Erfolg versprechende medikamentöse Behandlung von Konzentrationsproblemen, Störungen des Gedächtnisses, der Aufmerksamkeit und Wahrnehmung oder weiterer kognitiver Störungen steht bei MS nicht zur Verfügung. Die verlaufsmodifizierende Behandlung der MS ist nach bisherigem Stand der Forschung am geeignetsten, um kognitiven Störungen vorzubeugen und dafür zu sorgen, dass sich die Probleme nach einem Krankheitsschub wieder zurückbilden. Daneben besteht die Möglichkeit, kognitive Funktionen wie etwa das Gedächtnis oder die Konzentration neuropsychologisch zu trainieren. Zudem lassen sich die kognitiven Probleme auch ausgleichen, z. B. indem sich Betroffene mehr Zeit für einzelne Tätigkeiten nehmen oder aber sich z. B. bei Gedächtnisschwierigkeiten Notizzettel (z. B. für den Einkauf) schreiben. Nehmen Angehörige bei ihrem an MS erkrankten Familienmitglied Wesensveränderungen wahr, sollten diese beim nächsten Arztbesuch angesprochen werden.

Quelle: Befund MS 3/2017

22.02.18

Ich habe Multiple Sklerose