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Symptome der MS und ihre Behandlung

Kein Krankheitsverlauf ähnelt bei MS dem anderen: Während sich MS bei dem einen Menschen vorwiegend mit Bewegungsstörungen äußert, stehen bei einem anderen Blasen- oder Darmfunktionsstörungen im Vordergrund, bei einem Dritten dagegen vielleicht Fatigue und kognitive Probleme. Wegen der zahlreichen Symptome, die Folge einer MS-Erkrankung sein können, wird MS auch als Krankheit mit 1.000 Gesichtern bezeichnet.

Eine frühzeitig eingeleitete verlaufsmodifizierende Behandlung hilft, die Zahl der MS-Schübe zu reduzieren, doch ganz aufhalten, lässt sie sich vielfach nicht. Als Folge kommt es u. U. zu einer Verschlimmerung der bereits bestehenden gesundheitlichen Probleme oder aber es treten neue Symptome auf. Über sich verschlimmernde oder neu hinzugekommene Beschwerden sollten Menschen mit MS in jedem Fall ihren behandelnden Arzt informieren. Denn je rascher MS-Symptome behandelt werden, umso besser lassen sie sich i. d. R. unter Kontrolle bringen. Der Arztbesuch ist aber auch deshalb wichtig, weil nicht alle gesundheitlichen Probleme auf MS zurückzuführen sind. Die letztendliche Ursache für neue Beschwerden lässt sich nur durch eine medizinische Untersuchung herausfinden.

Depressionen – bei MS häufig

Studien gehen davon aus, dass bis zu 70 % aller MS-Patienten zeitweilig von einer Depression betroffen sind. Nicht immer ist es leicht, eine Depression zu erkennen bzw. sie von depressiven Verstimmungen abzugrenzen. Zu den Anzeichen einer Depression gehören der Leitlinie zufolge u. a.

  • anhaltende Gefühle von Bedrücktheit, Traurigkeit oder auch von innerer Leere
  • Antriebslosigkeit
  • der Verlust an den bisherigen Interessen und die Unfähigkeit, Freude zu empfinden

Halten diese Gefühle über einen längeren Zeitraum (zehn bis 14 Tage) an, ist es sinnvoll, mit dem Arzt darüber zu sprechen. Bei einer Depression gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten. Patienten sollten deshalb mit ihrem Arzt beraten, welche für sie am geeignetsten ist. So können Depressionen mithilfe von Medikamenten, aber auch mit einer psychologischen Psychotherapie oder einer Kombination aus beidem behandelt werden.

Fatigue – anhaltende Erschöpfung

Fatigue gehört ebenfalls zu den häufigsten Begleiterscheinungen bei MS; zwischen 50 % und 85 % der MS-Patienten, so die Ergebnisse verschiedener Studien, sind von ihr betroffen – i. d. R. mehrmals pro Woche. Für viele MS-Betroffene gehört Fatigue zu den belastenden Symptomen der MS, da die bereits nach kleinen Anstrengungen auftretende Erschöpfung ihre Lebensqualität stark beeinträchtigen kann. Bislang gibt es kein Medikament sowie keine Therapie, die allen Betroffenen bei Fatigue hilft. Manche profitieren von der Einnahme des Wirkstoffs Amantadin, u. U. können antriebssteigernde Medikamente helfen, die bei Depressionen eingesetzt werden. Vielen Betroffenen hilft z. B. regelmäßige Bewegung. Insbesondere Ausdauertraining hat sich im Einsatz gegen Fatigue als wirkungsvoll erwiesen. Daneben haben viele Betroffene gute Erfahrungen damit gemacht, dem Wunsch des Körpers nach Ruhe zeitweilig nachzugeben, und planen schon von vornherein Pausen über den Tag ein. Auch eine gesunde Ernährung und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind bei Fatigue sinnvoll.

Blasenfunktionsstörung oft erstes Symptom

Zu den häufigen Symptomen der MS gehören Blasenfunktionsstörungen. Diese können sich durch starken Harndrang, Blasenschwäche, aber auch durch Harnverhalt äußern. Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) gibt an, dass Blasenfunktionsstörungen bei bis zu 14 % der Erkrankten das erste Symptom der MS sind. Ursache für Blasenprobleme sind bei MS Störungen der Nervenleitfunktion, weshalb Mediziner auch von neurogenen Blasenstörungen sprechen. So unangenehm und schambehaftet das Thema Blasenschwäche auch sein mag: Betroffene sollten so rasch wie möglich einen Arzt aufsuchen, denn je eher Blasenprobleme behandelt werden, umso leichter lassen sie sich i. d. R. in den Griff bekommen.

Die Behandlung von MS-bedingter Blasenschwäche besteht zunächst darin festzustellen, wann sie vor allem auftritt. Vielen Betroffenen wird daher empfohlen, Protokoll über die eigenen Trinkgewohnheiten und über Toilettengänge sowie das Auftreten von Harndrang und unwillkürlichem Urinverlust zu führen. Manchmal zeichnen sich dabei Muster ab, sodass sich die Harninkontinenz u. U. bereits durch vorsorgliche Toilettengänge in den Griff bekommen lässt. Auch regelmäßige Beckenbodengymnastik kann dabei helfen, den Urin so lange einzuhalten, bis die nächste Toilette in Reichweite ist. Am besten lassen Sie sich von Physiotherapeuten Übungen für den Beckenboden zeigen. Wichtig ist trotz Blasenschwäche ausreichend (2 Liter) zu trinken.

Daneben stehen verschiedene Medikamente zur Behandlung von Blasenstörungen zur Verfügung:

  • Anticholinergika, die auf die Harnblasenmuskulatur wirken und den Harndrang und damit i. d. R. auch unwillkürlichen Urinabgang vermindern
  • Der Wirkstoff Desmopressin, der nachts die Urinproduktion reduziert und damit ein besseres Durchschlafen ermöglicht
  • Alphablocker, die zum Einsatz kommen, wenn die Blase sich nicht vollständig entleeren kann

Auch Medikamente, die der Spastik entgegenwirken, kommen bei Blasenstörungen zum Einsatz. In Fällen, in denen die Inkontinenz trotz medikamentöser und physiotherapeutischer Behandlung bestehen bleibt, gibt es auch die Möglichkeit, Botulinumtoxin in die Harnblasenmuskulatur zu injizieren, um die Überaktivität der Muskulatur einzudämmen.

Bei Blasenschwäche mit (oder ohne) Restharnbildung kann auch das Erlernen des intermittierenden Selbstkatherismus (ISK) sinnvoll sein. Ein Einmalkatheter wird dabei durch die Harnröhre bis in die Harnblase eingeführt, sodass sich die Blase über den Katheter vollständig entleeren kann. Vielen Betroffenen verhilft die regelmäßige Selbstkatheterisierung dazu, ein Leben ohne Angst vor unwillkürlichem Harnverlust zu führen. Einen Dauerkatheter legt der Arzt i. d. R. nur, wenn es keine andere Möglichkeit für die Behandlung von Blasenschwäche gibt. Auch das Einsetzen eines Blasenschrittmachers, der Nervenimpulse auslöst und somit die Harnblasenmuskulatur beeinflusst, ist möglich.

Probleme mit dem Darm

Darmentleerungsstörungen treten zwar seltener als Blasenstörungen auf, belasten Betroffene i. d. R. sehr. Das häufigste Problem ist Verstopfung, die bei MS in einem großen Teil Folge von Bewegungseinschränkungen und einer zu geringen Trinkmenge ist. Doch auch die Versorgung der Nerven des Schließmuskels kann als Folge der MS gestört sein. Verstopfung lässt sich am besten durch gezielte Bewegung, ballaststoffreiche Nahrung und eine ausreichende Trinkmenge behandeln. MS-Patienten mit Bewegungseinschränkungen sollten sich bewegen oder ihre Gliedmaßen bewegen lassen. Auch die Einnahme von abführend wirkenden Mitteln wie Lactulose oder die Verwendung eines Glyzerinzäpfchens oder eines Klistiers (Einlauf) zum Abführen kann helfen.

Stuhlinkontinenz kann u. U. ebenfalls mit MS einhergehen. Wichtig ist hierbei, auf blähende oder abführend wirkende Speisen oder Getränke weitgehend zu verzichten. Durch die sog. transanale Irrigation, bei der Wasser in den Enddarm eingeführt und eine Weile gehalten wird, können MS-Patienten ihren Darm vollständig entleeren – eigenständig oder mit Unterstützung. Für die folgenden Stunden ist damit gesichert, dass es nicht zu unwillkürlichem Stuhlabgang kommt. Das Tragen von Einlagen oder von speziellen Inkontinenz-Slips sowie Analtampons/Analstöpsel verleihen zusätzlich Sicherheit.

Bewegungseinschränkungen so gut wie möglich entgegenwirken

MS-Schübe ziehen häufig Bewegungseinschränkungen nach sich. Manche bilden sich mit der Zeit von selbst weitgehend zurück. In jedem Fall sollten Betroffene möglichst schnell mit einer auf die jeweilige Einschränkung zugeschnittenen Physiotherapie beginnen, denn ein gezieltes Training kann dazu beitragen, die Beweglichkeit wiederherzustellen bzw. entstandene Einschränkungen wieder auszugleichen. Sport und Bewegung, so das Ergebnis zahlreicher Studien, sind in jedem Stadium der MS sinnvoll. Deshalb sollten sich Menschen mit MS wenn möglich täglich oder zumindest mehrmals in der Woche Zeit fürs körperliche Training nehmen. Es geht dabei nicht um Hochleistungssport, schon ein Spaziergang täglich oder – bei bereits bestehenden Einschränkungen – ein passives Training können helfen, die (Rest-) Beweglichkeit und eine gewisse Muskelkraft und damit auch eine gewisse Selbstständigkeit zu erhalten.

Wenn die Muskelspannung erhöht ist: Spastik

Zu den möglichen Folgen der MS gehört auch Spastik. Diese z. T. schmerzhafte Muskelspannung führt dazu, dass manche Bewegungen nicht mehr möglich sind. So kann etwa die Gehfähigkeit durch Spastik eingeschränkt sein. Auch bei Spastik ist Bewegung, etwa in Form von Physiotherapie, hilfreich – auch um weiterhin ein eigenständiges Leben zu führen. Hilfsmittel (z. B. Beinschienen) tragen dazu bei, Beweglichkeit trotz Spastik zu erhalten. Zu den Medikamenten, die gegen Spastik eingesetzt werden können, zählen Antispastika wie Baclofen, ein Cannabinoid sowie ein Wirkstoff, der die Gehfähigkeit verbessern kann.

Kognitive Störungen

Kognitive Störungen sind Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit. Darunter fallen z. B. Störungen der Aufmerksamkeit oder verringerte Gedächtnisleistungen. Kognitive Störungen müssen nicht zwangsläufig durch MS verursacht sein, weshalb der Arzt genau prüfen sollte, welche Ursachen sie haben. Auch eine Depression kann z. B. kognitive Störungen nach sich ziehen. Die Behandlung besteht i. d. R. in gezieltem Training der gestörten Funktionen, z. B. im Training der Gedächtnisleistung. Daneben ist es sinnvoll, Strategien zu entwickeln, die die kognitiven Probleme ausgleichen. So sind etwa Notizen für die Tagesplanung oder die Nutzung eines Einkaufszettels bei Gedächtnisstörungen hilfreich.

Was tun bei Seh-, Sprech- und Schluckstörungen?

Störungen des Sehvermögens sind oft das erste Anzeichen einer MS und werden i. d. R. mithilfe der Medikamente behandelt, die bei MS eingesetzt werden (Kortison, verlaufsmodifizierende Medikamente). Bei Sprechstörungen ist eine logopädische Behandlung angezeigt, in der Betroffene z. B. lernen, langsamer und besonders artikuliert zu sprechen. Auch bei Schluckstörungen hilft ein Logopäde, der mit Betroffenen z. B. die Bewegungen der Zunge und des Mundes trainiert. Daneben hilft eine an die Störung angepasste Ernährung – Betroffene, die Probleme haben, feste Nahrung zu sich zu nehmen, können ihre Speisen z. B. pürieren.

Quelle: Befund MS 2/2017

06.10.17

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