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Lipödem – Eine unterschätzte Krankheit

Lipödem – Eine unterschätzte Krankheit

Geschwollene Beine und Füße können sehr schmerzhaft sein. I. d. R. vergehen die Schmerzen nach wenigen Tagen. Wenn die Beine allerdings immer dicker werden, ohne dass die Ernährung darauf Einfluss nehmen kann, kann es sein, dass sie an einem Lipödem, besser bekannt als Reiterhosenphänomen, leiden. Dorothea Bosse, Vorsitzende des Selbsthilfevereins Lipödem Hilfe e. V., erklärt im Interview, wie sich die Erkrankung bemerkbar macht.

Was ist ein Lipödem?

Das Lipödem ist eine oft verkannte Fettverteilungsstörung, die überwiegend im Oberschenkel-, Gesäß- und Hüftbereich, an der Innenseite der Kniegelenke und der Unterschenkel auftritt. Häufig sind auch die Arme betroffen. Die Erkrankung ist genbedingt und kommt i. d. R. nur bei Frauen vor. Sie beginnt meist schon während oder kurz nach der Pubertät, manchmal auch erst nach der Schwangerschaft oder während der Wechseljahre.

Was sind die Symptome?

Symptomatisch für ein Lipödem ist, dass die Frauen – ohne ihre bisherige Ernährung zu verändern – zunehmen. Die Beine werden gleichmäßig dick, dabei gehen die Schwellungen häufig vom unteren Becken aus und können sich bis zu den Fußgelenken ausbreiten. Die Beine und Füße fühlen sich schwer an und es kommt zu Spannungsgefühlen. Außerdem ist die Haut druck- und berührungsempfindlich und es entstehen leichter blaue Flecken. Die Haut ist grob, teils knotig und es bildet sich Cellulitis. Der Oberkörper ist jedoch meistens schlank. Hinzukommt, dass die Frauen unter dieser Erkrankung psychisch leiden. Sie entwickeln Depressionen und neigen dann oft aus Resignation zu allgemeinem Übergewicht.

Wer ist von einem Lipödem betroffen?

I. d. R. sind nur Frauen betroffen. Ein Lipödem kann allerdings sowohl bei jungen Mädchen in der Pubertät als auch bei erwachsenen Frauen auftreten. Es handelt sich um eine genetisch bedingte Erkrankung, dessen Ursachen bisher noch ungeklärt sind, weil noch nicht ausreichend Forschung betrieben worden ist. Dafür setzen wir uns als Verein ein.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Wichtig ist zuerst einmal, einen Facharzt aufzusuchen, der die Zusatzbezeichnung „Phlebologe“ trägt. Ultraschallaufnahmen können einen Eindruck vom Zustand des Unterhautfettgewebes liefern. Eine Lymphografie zeigt an, inwieweit auch das Lymphsystem betroffen ist. Erst nachdem eine Diagnose gestellt worden ist, kann das Lipödem behandelt werden. Die Kosten für die konventionelle Behandlung wie Lymphdrainage oder Bestrumpfung werden von der Krankenkasse übernommen. Die Kosten für eine Liposuktion (Fettabsaugung) werden in seltenen Fällen von der Krankenkasse übernommen.

Was können Betroffene tun?

Wichtig ist, dass sich Betroffene nicht von der Krankheit beherrschen lassen. Sie sollten auch weiterhin darauf achten, sich gesund und abwechslungsreich zu ernähren und ausreichend zu bewegen. Besonders Wassergymnastik wirkt sich positiv auf das Lipödem aus. Ein offensiver Umgang mit der Erkrankung trägt auch zum Abbau von Vorurteilen und Unverständnis im Umfeld bei. In unserem Selbsthilfeverein bieten wir Betroffenen auch die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen über Erfahrungen auszutauschen. Die Erkrankung sollte auf keinen Fall ausgeblendet oder verdrängt werden. Sie muss behandelt werden, um die Entstehung eines Lymphödems zu vermeiden.

Wo finden Betroffene Hilfe?

In unserem Selbsthilfeverein bieten wir Betroffenen Unterstützung und Aufklärung rund um das Thema Lipödem an. Wir tragen dazu bei, dass die Erkrankung ernst genommen und erforscht wird.

Frau Bosse, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Quelle: Patient und Haut 01/2013