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MS: Gehstörungen und nun?

Bewegungsstörungen sind eine häufige Folge von MS. Manchen MS-Patienten fällt aufgrund von Spastik das Gehen schwer, andere haben als Folge neurologischer Ausfälle Schwierigkeiten mit der Bewegungskoordination und dem Gleichgewicht (sogenannte Ataxien), wiederum andere verfügen über eine reduzierte Muskelkraft.

Das Auftreten von Gehstörungen ist für Betroffene immer ein erheblicher Einschnitt ins Leben. Denn wer sich nur noch eingeschränkt bewegen kann, verliert einen Teil seiner Eigenständigkeit. Deshalb ist es so wichtig, auch mit Gehstörungen Lösungen zu finden, möglichst mobil zu bleiben – und das auf lange Sicht.

Medikamente gegen Gehstörungen

In vielen Fällen lassen sich Gehstörungen nicht medikamentös behandeln. Am sinnvollsten ist es bei MS daher, möglichst frühzeitig eine verlaufsmodifizierende Therapie zu beginnen, denn mit der MS-Behandlung, so haben zahlreiche Studien gezeigt, lassen sich Bewegungseinschränkungen aufhalten. Ganz ausschließen lässt sich ihr Auftreten jedoch nicht. Dennoch sollten auch bei Bewegungseinschränkungen die krankheitsmodifizierenden Medikamente gewissenhaft weiter genommen werden, um das weitere Fortschreiten zu bremsen. Gegen Spastik, die die Gehfähigkeit einschränkt, stehen sogenannte Antispastika wie Baclofen zur Verfügung. Sie setzen den Muskelwiderstand herab. Ein Medikament bessert bei Spastik die Gehfähigkeit nachweislich bei Personen, die weniger als 500 Meter zu Fuß zurücklegen können. Betroffene sollten mit der Dosierung von Medikamenten, die gegen Spastik helfen, vorsichtig sein. Denn Spastik verleiht den Beinen eine gewisse Steifigkeit, die unter Umständen benötigt wird, um gehen zu können.

Unter Ataxien kann der Tremor, also das unkontrollierte Zittern der Muskulatur, medikamentös behandelt werden. Die zur Verfügung stehenden Wirkstoffe helfen jedoch nur begrenzt und können unter Umständen Nebenwirkungen nach sich ziehen, weshalb in der Regel zunächst versucht wird, den Tremor mithilfe von Physiotherapie und anderen therapeutischen Maßnahmen in den Griff zu bekommen.

Das A und O: Bewegung

Unabhängig davon, wie stark ein MS-Patient in seiner Gehfähigkeit eingeschränkt ist: So lange noch Gehbewegungen möglich sind, selbst mithilfe von Geräten, so lange sollten die physiologischen Bewegungsabläufe weiter trainiert werden. Bewegung trägt dazu bei, Muskeln zu stärken und die Koordination zu verbessern, und das wiederum wirkt sich positiv auch aufs allgemeine Wohlbefinden aus.

Spätestens beim ersten Anzeichen von Bewegungseinschränkungen sollten MS-Patienten daher beim Arzt auf Physiotherapie bestehen. Der Physiotherapeut kann mit Betroffenen das Gehen trainieren und bei Einschränkungen der Gehfähigkeit Kompensationsmöglichkeiten aufzeigen oder aber die richtige, ergonomische Benutzung eines Hilfsmittels wie des Gehstocks oder des Rollators erklären.

So sinnvoll es ist, regelmäßig zur Physiotherapie zu gehen, zum Trainieren der Muskulatur, der Bewegungskoordination und der Muskelkraft reicht die Zeit dort nicht. Betroffene sollten daher selbstständig ebenfalls Sport treiben, soweit ihnen es möglich ist. Schwimmen etwa fördert Koordination und Ausdauer, das Gleiche gilt fürs Radfahren – hier kann beim Treten in die Pedale eine Spastik sogar förderlich sein. Egal, für welchen Sport sich von MS Betroffene entscheiden: Regelmäßige Bewegung trägt dazu bei, weitere Bewegungsstörungen aufzuhalten. Denn trainierte Muskeln können Einschränkungen oft besser kompensieren.

Hilfsmittel bei Gehstörungen

Ist es nicht mehr länger möglich oder zu gefährlich, sich ohne Hilfe fortzubewegen, kommen bei Gehstörungen Hilfsmittel ins Spiel. Manche Menschen mit MS zieren sich, zu einem solchen Hilfsmittel zu greifen, weil sie nicht möchten, dass jeder ihnen ihre Probleme ansieht. Das kann schlimmstenfalls dazu führen, dass sie sich nicht mehr in der Öffentlichkeit zeigen wollen. Damit verlieren Betroffene einen Großteil ihrer Eigenständigkeit.

Ein weiteres wichtiges Hilfsmittel bei Gehstörungen sind Rollatoren. Sie haben den Vorteil, dass sie zwei Handgriffe besitzen, auf denen sich ihre Benutzer beim Gehen abstützen können. Die meisten Rollatoren besitzen zudem einen Sitz, der kurze oder längere Pausen erlaubt. Ein sogenanntes Rollatortraining hilft dabei, möglichst kraftsparend und zugleich geschickt mit dem Rollator umzugehen, z. B. beim Überwinden von Bordsteinen. In den meisten größeren Städten bieten etwa Krankenkassen oder Sportvereine ein Rollatortraining an.

Wer sich nicht länger mit Stock oder Rollator fortbewegen kann, aber eigenständig bleiben will, kommt in der Regel um die Anschaffung eines Rollstuhls nicht herum. Die Wahl des Rollstuhls ist abhängig vom Ausmaß der Behinderung, von der eigenen Muskelkraft, der Koordination und vom eigenen Willen, sich trotz Rollstuhls noch möglichst viel selbst zu bewegen. Zur Auswahl stehen Rollstühle, die sich durch die Muskelkraft der Arme antreiben lassen sowie Elektro-Rollstühle. Sofern Kraft und Koordination es erlauben, sollten Menschen mit MS sich für einen Rollstuhl entscheiden, für dessen Fortbewegung sie selbst zuständig sind. In jedem Fall sollten sich angehende Rollstuhlfahrer gründlich beraten lassen und mehrere Rollstühle ausprobieren, bevor sie sich für ein Modell entscheiden. Damit die gesetzliche Krankenkasse die Kosten übernimmt, sollte ein Arzt die medizinische Notwendigkeit des gewählten Rollstuhlmodells bescheinigen.

Ein Elektro-Rollstuhl ist dann notwendig, wenn die Armkraft zu gering ist oder Bewegungseinschränkungen die Nutzung eines anderen Rollstuhls unmöglich machen. Menschen mit großen Bewegungseinschränkungen erhalten sich damit ein gutes Stück Eigenständigkeit und damit Lebensqualität.

Quelle: Befund MS 3/2018

20.05.19

Ich habe Multiple Sklerose