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Fahrzeugumbau für Menschen mit Behinderung

Fahrzeugumbau für Menschen mit Behinderung

Für Menschen, deren Mobilität etwa wegen einer Behinderung eingeschränkt ist, bedeuten eigens auf sie zugeschnittene Fahrzeuge ein Stück Freiheit und Unabhängigkeit. Vielen ermöglicht erst das Fahrzeug ein selbstständiges Leben. Doch welche Möglichkeiten gibt es, Fahrzeuge für Menschen mit körperlichen Einschränkungen umzurüsten?

Fahrrad umrüsten

Umgerüstete Fahrräder machen vor allem für diejenigen Sinn, die gleichzeitig mobil sein und ihre körperlichen Fähigkeiten erhalten oder verbessern wollen. Sie können mit einem umgebauten Fahrrad Landschaft und Natur ganz anders erleben als mit einem Auto. Je nach Einschränkung lassen sich Fahrräder auf ganz unterschiedliche Weise an ganz unterschiedliche Bedürfnisse anpassen: Das beginnt bei leichten Hilfestellungen, die etwa ein ergonomisches Seniorenrad mit tiefem Einstieg bietet oder ein Fahrrad mit elektronischem Zusatzmotor. Auch Gleichgewichtsprobleme oder eine Behinderung im Arm- oder Handbereich sind kein Hinderungsgrund für Fahrradbegeisterte: Dreiräder, Fahrräder mit Oberkörper- oder Oberschenkellenkung bis hin zu Tandem-Fahrrädern oder Fahrrädern mit angekoppeltem Rollstuhl können die Mobilität per Drahtesel ermöglichen. Bei letzteren fährt man nicht mehr selbst, sondern eine zweite Person. So können auch Menschen mit starken körperlichen Einschränkungen an gemeinsamen Fahrradausflügen mit Familie, Freunden oder Bekannten teilnehmen.

Auto umrüsten

Ein Auto ist für viele Menschen mit einem Handicap die wichtigste Möglichkeit, um sich die Selbstständigkeit und Mobilität für den Beruf und das gesellschaftliche Leben zu erhalten. Auch hier gilt: Je nach körperlicher Einschränkung sind unterschiedliche Umbauten möglich. Für Menschen mit Arm- oder Handeinschränkungen können Griffverlängerungen und elektronische Fernbedienungen das Öffnen von Türen ermöglichen. Aufbauten auf dem Lenkrad, der Einbau einer Fußlenkung, elektronische Lenkhilfen, Verlängerungen von Schalthebeln, Handbremsen und Blinkerbedienung: Die Variationsmöglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. Ähnliches gilt für Menschen, die trotz Behinderung im Bein- und Fußbereich Auto fahren wollen: Von der Einstiegshilfe, Pedalverlegung, eigens eingebauten Handbediengeräten für Gas, Bremse und Kupplung gibt es auch hier unzählige Möglichkeiten, um das Auto anzupassen. Für kleinwüchsige Menschen sind ebenfalls viele Umbaumöglichkeiten vorhanden, so etwa der Einbau von Trittstufen für den Einstieg, Pedalverlängerungen, Verkürzung der Sitzfläche und Verlängerungen für Lenker und Schalthebel. Wer auf einen Rollstuhl angewiesen ist, ist mit einem größeren Fahrzeugmodell gut beraten, etwa einem Van oder Kleinbus. Um hier den Rollstuhl mitnehmen zu können, haben die Anbieter unterschiedliche Mitnahmesysteme im Programm: Der Rollstuhl kann durch Kofferraumlift in den Koffer- beziehungsweise Laderaum gehoben werden. Je nach körperlichen Möglichkeiten der Betroffenen gibt es Liftvarianten, die den Rollstuhl vom Fahrzeugheck ins Auto heben oder die sich den Rollstuhl direkt neben dem Fahrersitz des Autos abholen. In diesem Fall schließt auch die Heckklappe automatisch oder per Fernbedienung. Eine andere Möglichkeit ist, den Rollstuhl auf dem Rücksitz mitzunehmen. Hier öffnet sich die Tür hinter dem Fahrersitz elektronisch, und der Liftarm zieht den gefalteten und eingehängten Rollstuhl in den Innenraum des Fahrzeugs. Wer den Platz im Fahrzeuginnenraum benötigt, kann auch einen Dachlifter einbauen lassen, der den gefalteten Rollstuhl in eine Dachbox hebt. Zudem gibt es auch die Möglichkeit, gemeinsam mit dem Rollstuhl über eine Rampe oder ein Hubsystem ins Auto hineinzufahren, um dort entweder auf den Fahrersitz zu wechseln oder direkt vom Rollstuhl aus das Fahrzeug zu steuern. Da es mit einer körperlichen Behinderung oft auch schwierig ist, im Winter das Eis an den Scheiben zu wegkratzen, sind beheizbare Scheiben bzw. eine Standheizung eine wichtige Zusatzausstattung für das Fahrzeug. Wer ein Fahrzeug kaufen beziehungsweise umrüsten lassen will, muss diese erhebliche Investition nicht allein stemmen: So wird der Kauf eines Autos mit bis zu 9500 Euro gefördert. Auch die Kosten für Zusatzausstattung, deren Einbau und technische Wartung werden in vollem Umfang übernommen – vorausgesetzt, dass diese Ausstattung wirklich erforderlich ist. Den Antrag auf Kraftfahrzeughilfe müssen Betroffene bei den Kostenträgern vor Vertragsabschluss stellen. Je nach Sachlage kommen als Träger sowohl die gesetzliche Unfallversicherung, als auch die gesetzliche Rentenversicherung, die Bundesagentur für Arbeit, die Kriegsopferfürsorge oder Träger der Hilfe im Arbeits- und Berufsleben in Frage.

Iris Schaper