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Folgen von Zöliakie

Zöliakie, eine Autoimmunerkrankung, bei der es im Dünndarm zu chronisch-entzündlichen Prozessen kommt, wenn Nahrung das Klebereiweiß Gluten enthält, zieht häufig weitere Erkrankungen nach sich bzw. geht mit anderen Krankheiten einher. So ist etwa Knochenschwund (Osteoporose), die Verringerung der Knochendichte, bei Zöliakiepatienten häufig.

Das Risiko für die meisten Folgeerkrankungen einer Zöliakie lässt sich jedoch eindämmen, indem Betroffene sich strikt an eine glutenfreie Diät halten. Wichtig ist, dass die Diät tatsächlich glutenfrei und nicht nur glutenarm ist. Denn schon kleinste Mengen des Klebereiweißes, das in vielen Getreidesorten wie Weizen, Roggen und Gerste enthalten ist, können Darmprobleme hervorrufen, was wiederum zahlreichen wissenschaftlichen Studien zufolge die Gefahr für andere Erkrankungen erhöht. Bereits 1/8 Gramm Weizenmehl kann Beschwerden auslösen und Entzündungen im Dünndarm hervorrufen.

Osteoporose – häufige Begleiterscheinung von Zöliakie

Osteoporose ist die Krankheit, die am häufigsten mit Zöliakie einhergeht. Sie betrifft bis zu 50 % der Zöliakiepatienten. Der Grund: Die Aufnahme von Kalzium durch den Darm ist bei Zöliakie gestört, hinzukommt, dass entzündliche Prozesse anscheinend auch die knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) anregen und diese daraufhin die Knochendichte verringern. Schon bei Kindern mit Zöliakie kann der Knochenaufbau gestört sein und eine verringerte Knochendichte vorliegt. Studien haben jedoch gezeigt, dass eine glutenfreie Diät, eine kalziumreiche Ernährung und eine ausreichende Zufuhr an Vitamin D, das für den Knochenaufbau ebenfalls notwendig ist, dazu beitragen, bis zum Abschluss des Knochenwachstums ähnliche Knochendichtewerte wie Gleichaltrige zu erzielen.

Das bedeutet: Eltern müssen konsequent darauf achten, dass ihr Kind kein Gluten zu sich nimmt, ausreichende Mengen Milch trinkt bzw. genug Milchprodukte zu sich nimmt und sich häufig im Freien aufhält, damit sein Körper unter Einfluss der Sonnenstrahlung genug Vitamin D bilden kann. Sollte zugleich mit der Zöliakie auch eine Laktoseunverträglichkeit vorliegen, lässt sich der Kalziumbedarf mit laktosefreien Milchprodukten und kalziumhaltigem Mineralwasser sowie kalziumreichen Nahrungsmitteln decken. Am besten fragen Eltern den behandelnden Arzt, wie viel Kalzium ihr zöliakiekrankes Kind benötigt, um eine altersangemessene Knochendichte zu entwickeln. Das Gleiche gilt auch für Erwachsene mit Zöliakie. Für sie ist es wichtig, den Knochenabbau mithilfe von Kalzium, Vitamin D, einer glutenfreien Diät und Bewegung aufzuhalten. Zahnschmelzdefekte sind ebenfalls eine häufige Folge von Zöliakie. Ihrer Entstehung liegt vermutlich ein ähnlicher Wirkmechanismus wie bei Osteoporose zugrunde.

Fruchtbarkeitsstörungen, Fehl- und Frühgeburten

Eine unentdeckte Zöliakie kann bei Jugendlichen eine verzögerte Pubertät und damit eine Verzögerung der Geschlechtsreife bedingen. Bei Frauen kann es zum Ausbleiben der Regelblutung kommen, oft geht auch ein unerfüllter Kinderwunsch mit Zöliakie einher. Bei einer Schwangerschaft sind Fehl- und Frühgeburten häufiger als bei gesunden Frauen. Auch bei Männern mit Zöliakie kann die Fruchtbarkeit gestört sein.

Einfluss aufs Nervensystem

Eine unbehandelte Zöliakie hat möglicherweise Auswirkungen auf das Nervensystem. In einigen Fällen kommt es zu epileptischen Anfällen. Auch Migräne wird bei Menschen mit Zöliakie häufiger beobachtet. Die Gründe hierfür sind noch unklar.

Psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angsterkrankungen gehen ebenfalls häufig mit Zöliakie einher. Welche Ursachen diesen Erkrankungen zugrunde liegen, ist unterschiedlich. Bei einer bereits diagnostizierten Zöliakie kann etwa das Gefühl, nicht mehr gesund zu sein und es auch nie mehr zu werden, eine Rolle bei der Entstehung einer Depression oder Angsterkrankung spielen.

Leberschäden, Herzrhythmusstörungen, Krebs

Zöliakiekranke haben häufig erhöhte Leberenzymwerte – Leberschäden sind auf Dauer die Folge einer unbehandelten Zöliakie. Mit einem strikten Glutenverzicht normalisieren sich die Leberwerte in der Regel nach einiger Zeit wieder.

Herzrhythmusstörungen können ebenfalls mit einer Zöliakie einhergehen. Denn die Dünndarmzotten sind nicht mehr in der Lage, ausreichende Mengen an Kalium aufzunehmen, das unter anderem für die intakte Funktion des Herzens notwendig ist.

In einigen Fällen kann es trotz Glutenverzichts zu weiteren entzündlichen Prozessen im Darm kommen – dann sprechen Mediziner von einer refraktären Zöliakie. Bei dieser Form der Zöliakie besteht eine erhöhte Gefahr für eine Krebserkrankung, das sogenannte Enteropathie-assoziierte T-Zell-Lymphom. Aus diesem Grund müssen Zöliakiepatienten, die auf Gluten verzichten und dennoch Symptome zeigen, engmaschig kontrolliert werden.

Blutarmut und weitere Folgen

Bei fortschreitender Zöliakie können die Dünndarmzotten – Ausstülpungen der Darmschleimhaut, über die die Nährstoffe in den Körper gelangen – ihre Funktion nur noch begrenzt erfüllen. Das bedeutet: Es kann zu einem Mangel an Nährstoffen kommen. Zu diesen Nährstoffen gehören insbesondere Eisen und Zink, aber auch Vitamine der B-Gruppe und das bereits erwähnte Kalzium. Ein Mangel an Eisen und bestimmten B-Vitaminen führt unter Umständen wiederum dazu, dass zu wenig rote Blutkörperchen hergestellt werden. Betroffene entwickeln unbehandelt eine Blutarmut, was sich durch Antriebslosigkeit und mangelnde Leistungsfähigkeit äußert. Eine glutenfreie Ernährung sowie eine den Mangelbedarf deckende Zufuhr der fehlenden Nährstoffe wirkt einer Blutarmut entgegen.

Die Veränderungen im Darm können bei Zöliakieerkrankten zudem zu einer Laktoseintoleranz führen, d. h. Milchzucker wird nicht länger vertragen und verstärkt die Beschwerden, die mit einer Zöliakie ohnehin einhergehen (Magenschmerzen, Durchfall, Blähungen). Unter einer glutenfreien Diät vertragen jedoch viele Betroffene nach einiger Zeit wieder gewisse Mengen Laktose.

Wird eine strikte glutenfreie Diät dauerhaft eingehalten, regenerieren sich die Darmzotten und der Körper kann wieder alle Nährstoffe aufnehmen.

Begleiterkrankungen

Mit Zöliakie gehen zudem häufiger als bei Gesunden weitere Krankheiten einher. So treten Diabetes Typ 1 und Zöliakie häufig gemeinsam auf. Die Ursache: Beide Krankheiten haben ähnliche genetische Grundlagen. Werden Kinder mit Diabetes Typ 1 diagnostiziert, sollten Kinderärzte daher auch nach Indizien für eine Zöliakie Ausschau halten. Zwischen Zöliakie und Diabetes Typ 2 besteht hingegen kein Zusammenhang. Daneben treten bei Vorliegen einer Zöliakie häufiger Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse wie die Hashimoto-Thyreoiditis, eine chronischen Schilddrüsenentzündung, auf, weshalb Zöliakiepatienten ihre Schilddrüsenfunktion überprüfen lassen sollten.

Quellen:
allergikus 2/2020
allergikus 1/2019

05.01.2021