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Behandlung im Kinderwunschzentrum

Behandlung im Kinderwunschzentrum

Ungewollte Kinderlosigkeit kann viele Ursachen haben. In 40 % der Fälle liegt die Ursache beim Mann, in 40 % der Fälle sind die Ursachen bei der Frau zu finden. Bei 20 % der Paare bleibt der Grund für ungewollte Kinderlosigkeit ungeklärt. Privatdozentin Dr. Christine Skala leitet die Kinderwunschsprechstunde an der Universitätsmedizin Mainz. Im Interview erklärt sie, welche Behandlungsmöglichkeiten es für Paare gibt.

Was sind die häufigsten Ursachen von ungewollter Kinderlosigkeit?

Um die weiblichen Ursachen für eine ungewollte Kinderlosigkeit feststellen zu können, müssen mehrere Organsysteme betrachtet werden. Die Eierstöcke (Ovarien), die Eileiter (Tuben) und die Gebärmutter (Uterus).

Bei einer Frau wird im Normalfall jeden Monat eine Eizelle gebildet. Diese wird im sogenannten Eisprung freigesetzt und kann dann befruchtet werden. Bleibt der Eisprung aus, spricht man von einer Anovulation. Sie kann die Ursache für das Ausbleiben der Schwangerschaft sein.

Möglich ist auch, dass die Eileiter verstopft sind, z. B. bei Vernarbungen nach einer Entzündung oder bei Endometriose. Dann treffen die Spermien nicht auf die Eizelle, sodass es auch nicht zur Befruchtung kommen kann. Denn die Eileiter sind die Verbindung zwischen der Gebärmutter und dem Eierstock. Die Spermien müssen durch die Eileiter zum Eierstock schwimmen können und die befruchtete Eizelle wird dann durch den Eileiter zurück in die Gebärmutter transportiert.

Die Einnistung der befruchteten Eizelle findet dann in der Gebärmutter statt. Dazu muss die Gebärmutterschleimhaut gut aufgebaut sein und die Gebärmutterhöhle darf nicht „belegt“ sein. Manchmal können Myome oder Polypen in der Gebärmutterhöhle (Cavum Uteri) wachsen. Diese können dann eine Einnistung verhindern.

Wenn die Schwangerschaft ausbleibt, könne Paare sich in einem Kinderwunschzentrum behandeln lassen. Wie sieht solch eine Behandlung aus?

Im Kinderwunschzentrum werden erst einmal viele Fragen gestellt, um herauszufinden, ob es irgendwelche offensichtlichen Gründe für eine ungewollte Kinderlosigkeit gibt. Es werden Fragen zum Zyklus der Frau gestellt. Kommt die Menstruationsblutung regelmäßig? Wurde schon einmal ein Ovulationstest durchgeführt oder die Temperatur gemessen? Ein gut geführter Zykluskalender stellt viele Informationen über die Funktion der Eierstöcke zur Verfügung. Wie sieht es mit Vorerkrankungen beider Partner aus? Müssen regelmäßig Medikamente eingenommen werden? Wurden im Vorfeld Operationen durchgeführt? War die gynäkologische Untersuchung immer unauffällig? War der Mann schon einmal beim Urologen? Wie sieht es mit Umweltbelastungen aus?

Welche Untersuchungen werden anschließend durchgeführt?

Der Hormonstatus der Frau wird bestimmt. Er gibt Aufschluss über die Tätigkeit der Eierstöcke. Dabei werden folgende Hormone bestimmt: Follikel stimulierendes Hormon (FSH), luteinisierendes Hormon (LH), Östrogen, Progesteron, Prolaktin, Testosteron, Androstendion, Dehydroepiandrosteron (DHEA) und Anti-Müller-Hormon (AMH). Diese Hormonwerte bringen Klarheit, ob es Störfaktoren in der Bildung der Eizellen gibt. Außerdem gibt der AMH-Wert Auskunft über die verbleibende Eizellreserve.

Darüber hinaus ist eine gynäkologische Untersuchung notwendig, um einen Eindruck von den Eierstöcken und der Gebärmutter zu bekommen. Im Ultraschall können Gynäkologen gut die Funktion der Ovarien nachvollziehen. Der Uterus kann ebenfalls gut dargestellt werden. Die Gebärmutterschleimhaut in der Höhle ist sehr gut zu erkennen und so können auch mögliche Myome festgestellt werden.

Gibt es in der Vorgeschichte der Patientin einen Anhaltspunkt für eine vorausgegangene Unterleibsentzündung, muss im Kinderwunschzentrum der sogenannte Tubenfaktor (Durchgängigkeit der Eileiter) abgeklärt werden. Eine Eileiterdurchgängigkeitsprüfung erfolgt normalerweise in Narkose. Es werden eine Bauchspiegelung und eine Gebärmutterspiegelung vorgenommen. Dabei wird die Gebärmutterhöhle (Cavum Uteri) mit einer Blaulösung aufgefüllt. Sind die Eileiter offen, dann muss diese Blaulösung in die Bauchhöhle tropfen, was bei einer Bauchspiegelung gut zu sehen ist.

Außerdem wird ein Spermiogramm erstellt. Damit wird das Ejakulat untersucht. Dabei werden sowohl die Anzahl als auch die Beweglichkeit der Spermien und die Anzahl der Normalformen bestimmt.

Welche Behandlungsmöglichkeiten stehen Paaren anschließend zur Verfügung?

Hat die Patientin keinen Eisprung, dann kann eine Stimulation des Eierstockes erfolgen. Daraufhin wird ein Eibläschen produziert und der Eisprung kann ausgelöst werden. Der Aufwand dafür ist relativ gering. Die Erfolgsquote pro Zyklus liegt bei 10 bis 15 %.

Sind die Eileiter (Tuben) verschlossen und die Eizellen und die Spermien treffen nicht aufeinander, muss die Eizelle außerhalb des Körpers der Frau befruchtet werden. Das passiert durch eine In-vitro-Fertilisation (IVF-Therapie). Dazu wird der Eierstock (Ovar) stimuliert und die Eizellen werden dann abgesaugt. Die Befruchtung der Eizelle mit den Spermien findet im Brutschrank statt. Die befruchtete Eizelle wird dann in die Gebärmutter zurückgelegt. Die Therapie dauert in etwa 17 bis 20 Tage und ist für die Patientin aufwendig. Die Schwangerschaftsrate pro Zyklus liegt bei einer etwa 35-jährigen Frau bei 35 bis 40 %.

Was, wenn die Ursache beim Mann liegt?

Beim Mann liegt die Ursache des unerfüllten Kinderwunsches in der Spermienqualität. Die Spermien können zu wenige sein, dann spricht man von einer Oligospermie. Die Spermien können in ihrer Beweglichkeit beeinträchtigt sein, dann liegt eine Asthenospermie vor. Es kann zu wenige Spermien geben, die eine unauffällige äußere Form haben. Diese Veränderungen kommen häufig kombiniert vor.

Ist die Spermienqualität wenig eingeschränkt und sind genug bewegliche Spermien vorhanden, dann kann eine Insemination vorgenommen werden. Dabei werden die Spermien gewonnen, gewaschen und die schnellsten abgeschöpft. Diese werden dann in die Gebärmutterhöhle hineingespritzt. Die Befruchtung findet dann im Körper der Frau statt. Der Aufwand dafür ist relativ gering. Die Erfolgsquote pro Zyklus liegt bei 10 bis 15 %.

Ist die Spermienqualität deutlich eingeschränkt, dann muss eine Befruchtung außerhalb des Körpers der Frau stattfinden. Dazu werden die Eizellen gewonnen, wie dies auch bei der IVF-Therapie der Fall ist. Dann wird ein schönes Spermium direkt in eine Eizelle hineingespritzt, das nennt man intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI). Dabei wird die Befruchtung so weit wie möglich erzwungen. Die befruchtete Eizelle wird dann wieder in die Gebärmutter zurückgelegt. Die Therapie dauert in etwa 17 bis 20 Tage und ist für die Patientin aufwendig. Die Schwangerschaftsrate pro Zyklus liegt bei einer etwa 35-jährigen Frau bei 35 bis 40 %.

Welche Behandlungen werden von der Krankenkasse übernommen?

Die Krankenkassen unterstützen die Therapien bis zum Alter der Frau von 40 Jahren und bis zum Alter des Mannes von 50 Jahren. Eine alleinige ovarielle Stimulation wird zu 100 % getragen. Alle anderen Therapien wie IVF, ICSI oder Insemination werden zu 50 % unterstützt. Einige Krankenkassen übernehmen als besonderen Service mehr als die 50 % der Kosten.

Quelle: Deutsches Magazin für Frauengesundheit 2/2020

30.09.2020