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Do-it-yourself-Closed-Loop – was ist das?

Immer mehr Menschen mit Diabetes bezeichnen sich als „Looper“. Dahinter steckt die Do-it-yourself-(DIY)-Bewegung, die sich ihr Closed-Loop-System selbst baut. Dies hat Vorteile, ist aber auch mit Risiken verbunden.

Was genau ist ein DIY-Closed-Loop?

Hier geht es nach Angaben der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) um die Verbindung zweier neuerer technischer Errungenschaften in der Diabetestherapie – die Insulinpumpe, die das Insulin unter der Haut abgibt, und der Blutzuckersensor (CGM), der ebenfalls unter der Haut sitzt und mit dem der Blutzucker kontinuierlich gemessen werden kann. Diese Komponenten nutzen zum einen professionelle Hersteller von Closed-Loop-Systemen: Dabei wird zwischen der kontinuierlichen Glukosemessung und der Insulinpumpe IT-basiert eine Verbindung geschaffen. Mittels eines dazu lernenden Algorithmus in einer Software erfolgt die Insulinabgabe automatisch und an den Benutzer angepasst.

Closed-Loop Marke Eigenbau

Looper bauen sich indes ein solches System aus Insulinpumpe und Sensor selbst. Hierfür gibt es Anleitungen im Internet. Wie die DDG betont, sind diese Systeme individualisiert und werden in der Regel nur für den Eigengebrauch verwendet. Dabei werden die Pumpe und der Sensor technisch nicht verändert, so Medical Tribune, sondern nur über ein Steuerungsmodul und über einen selbstprogrammierten Algorithmus mittels App fürs Smartphone miteinander verbunden.

Dabei ist es möglich, die Programmierung nach seinen individuellen Bedürfnissen vorzunehmen, berichtet das Deutsche Ärzteblatt. Um die Daten abzulesen, kann man sein Smartphone, eine Smartwatch oder auch ein Tablet verwenden. Im Internet findet man Hilfe bei einer aktiven Nutzer-Community, insbesondere in technischen Fragen. Looper kommunizieren auch über soziale Netzwerke, der Hashtag hierzu lautet #WeAreNotWaiting – in Anspielung darauf, dass industriell hergestellte Systeme kaum verfügbar sind.

Nutzerberichte oft positiv

Dabei gibt es drei Varianten von DIY-Closed-Loops: AndroidAPS für Android-Nutzer, LOOP für Apple-Nutzer sowie OpenAPS, basierend auf Linux. Oft funktionieren diese Systeme gut, wie Nutzerberichte zeigen, so das Ärzteblatt: Blutzuckerschwankungen zwischen den Mahlzeiten können ausgeglichen werden, die Basalrate lässt sich ebenfalls gut einstellen. Unterzuckerungen können verhindert werden, vor allem in der Nacht ist dies hilfreich und entlastend. Die Blutzuckerwerte und auch der Langzeitblutzuckerwert verbessern sich, berichten Nutzer. Offizielle Zahlen, wie viele Menschen bereits als Looper in Deutschland unterwegs sind, gibt es nicht.

Was sind die Nachteile?

Wie sieht die rechtliche Situation aus? Ist ein solches DIY-System erlaubt? Laut DDG ist der Zusammenbau von Medizinprodukten wie Pumpe oder CGM zu einem geschlossenen System für den Eigengebrauch nicht strafbar oder eine Ordnungswidrigkeit. Dennoch ist eine gewisse Zweckentfremdung der Medizinprodukte vorhanden: Deshalb könne man in der Regel auch keine Haftungsansprüche an den jeweiligen Hersteller stellen.

Für Ärzte gilt: Sie müssen ohne Nachfrage des Patienten nicht über solche Systeme informieren, auf Nachfrage des Patienten sind sie indes verpflichtet, über den bestimmungswidrigen Gebrauch eines Medizinprodukts und die damit verbundenen Risiken aufzuklären, so die DDG, da ansonsten Haftungsansprüche drohen. Der Arzt muss dem Patienten die Nutzung aber nicht verbieten. Strafbar macht sich der Arzt indes, wenn er den Einsatz eines DIY-Closed-Loops aktiv unterstützt, indem er z. B. eine Plattform zum Austausch anbietet oder seine Patienten gar in der Nutzung eines solchen Systems schult.

Risiken bestehen beispielsweise in der Hinsicht, dass es zu Mess- und Kalibrierungsfehlern kommen kann, so das Ärzteblatt. Zudem ist die Messung des Blutzuckers im Unterhautfettgewebe zeitverzögert. Die Basalrate kann zu hoch ausfallen oder Sport und Bewegung werden nicht mit einberechnet. Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA warnte im vergangenen Jahr vor Hypoglykämien aufgrund einer zu hohen Insulinausschüttung durch DIY-Systeme.

Eines ist ohnehin klar: Looper müssen sich gut mit den Einstellungen der verwendeten Geräte auskennen und sich oft in die technischen Details hineinfuchsen. Zudem muss man sein eigenes System sehr gut kennen und durchschauen – und vor allem den eigenen Stoffwechsel. Eine bequeme Lösung für Ungeübte ist ein solches System also nicht.

Quelle: Befund Diabetes 2/2020

30.09.2020
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