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Pilze können der Haut auch gut tun

Beim Thema „Pilze und Haut“ denken viele wahrscheinlich zuerst an unangenehmen Erscheinungen wie Fuß- oder Nagelpilzinfektionen. Doch es gibt auch Pilze mit positiven Eigenschaften für die Haut.

Arzneistoffe aus Pilzen

Die an Vitaminen der B-Gruppe reichen Bier- oder Bäckerhefen (Saccharomyces cerevisiae), die zum Beispiel innerlich bei Akne angewendet werden können, gehören zu den mikroskopischen Pilzen. Es gibt auch Antibiotika produzierende Pilze, deren Wirkstoffe bei Hautinfektionen Einsatz finden können. Inhaltsstoffe und Extrakte von Pilzen, deren Fruchtkörper mit dem bloßen Auge sichtbar sind und die z. B. im Wald wachsen oder in Pilzfarmen gezüchtet werden (makroskopische Pilze), sind als Arzneistoffel oder als Kosmetika ebenfalls für die Anwendung auf der Haut von Interesse. So gibt es ein Antibiotikum, das ursprünglich aus einem Räsling (Clitopilus passeckerianus) gewonnen wurde, das erst seit wenigen Jahren in Form einer Salbe zur Behandlung von bakteriellen Hautinfektionen, z. B. Impetigo, eingesetzt wird. Impetigo ist eine besonders bei Kleinkindern auftretende, hoch infektiöse Erkrankung, die auch unter der Bezeichnung Eiterflechte bekannt ist.

Der an alten Bäumen häufig zu findende Zunderschwamm diente in der Vergangenheit nicht nur zum Entfachen von Feuer (Zunder!), sondern auch zur äußerlichen Blutstillung und Wundbehandlung. Aus dem Pilz gewonnene ß-Glucane sind heute Bestandteil von Kosmetika.

Pilze in der Kosmetik – Erfahrungen aus der Traditionellen Chinesischen Medizin

Die Anwendung anderer Pilze zur Hautpflege und Behandlung von Hautkrankheiten hat in Ostasien, z. B. in China, Japan und Korea, eine sehr lange Tradition und findet zunehmend auch in den westlichen Ländern Verbreitung. Besonders bekannt sind der Shiitakepilz und der auch als Reishi oder Ling Zhi bezeichnete Glänzende Lackporling. Neben Vitaminen und Mineralstoffen enthalten die Pilze u. a. immunmodulierende ß-Glucane sowie antibakteriell, entzündungshemmend und antioxidativ wirkende kleinmolekulare Verbindungen. Ein aus beiden Pilzen und einem Algenextrakt hergestelltes Kosmetikum mildert erwiesenermaßen die Faltentiefe und verbessert die Feuchtigkeit und Festigkeit der Haut. In Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass ein Verwandter des Reishi, der Kupferrote Lackporling, die Regenerationsfähigkeit von kultivierten Hautzellen nach Schädigung durch UV-Strahlen verbessert und ihre Lebensdauer verlängert („Anti-Aging“). Die genannten Pilze sind außerdem in der Lage, das Wachstum von Staphylococcus aureus, die z. B. als Eitererreger bedeutsam sind, zu hemmen. Die radikalfangenden Eigenschaften der Pilze tragen ebenfalls zu den positiven Hauteffekten bei. Auch die in der Gourmetküche geschätzten Trüffel werden bereits in hochwertige Kosmetika eingearbeitet.

Pilze bei Pigmentstörungen

Auf Holz wachsende Pilze benötigen bestimmte Enzyme, um das Lignin des Holzes für sie verwertbar zu machen. Diese Enzyme können auch das Melanin, unser dunkles Hautpigment, abbauen und unerwünschte Pigmentansammlungen, z. B. Altersflecken, mildern. Größere Mengen solcher Enzyme kommen in der Schmetterlingstramete, einem auf Baumstümpfen häufig zu findenden Pilz, vor. Zubereitungen aus dem Pilz sind in bleichenden Kosmetika enthalten.

Fazit

Während Pflanzen schon lange für die Pflege und Behandlung der Haut eingesetzt werden, steht die Verwendung von Pilzen für diesen Zweck noch ganz am Anfang und erfordert weitere Forschungsarbeit. Die Erfahrungen insbesondere aus dem ostasiatischen Raum lassen jedoch erwarten, dass den Pilzen zukünftig auch auf diesem Gebiet eine größere Bedeutung zukommen kann.

Prof. Dr. Ulrike Lindequist
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Quelle: Patient und Haut 01/2013