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Jobcoaching der DMSG Schleswig-Holstein

Andreas Heitmann, Geschäftsführer der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) Landesverband Schleswig-Holstein, weiß, dass es für viele von MS Betroffene nach der Diagnose von großer Bedeutung ist, ob sie ihren Beruf mit der MS weiter ausüben können: „Die meisten von MS Betroffenen erhalten die Diagnose zwischen dem 20. und dem 40. Lebensjahr – ein Zeitpunkt, zu dem der Beruf eine zentrale Rolle im Leben spielt. Dann haben sie viele Fragen, etwa ob sie Ihrem Arbeitgeber mitteilen müssen, dass sie an MS erkrankt sind, ob ein Schwerbehindertenausweis im Hinblick auf die berufliche Tätigkeit sinnvoll ist oder auch, ob sie in einem Bewerbungsgespräch bereits auf die MS hinweisen müssen. Die DMSG Schleswig-Holstein beantwortet all diese Fragen und hilft Betroffenen u. a., sich auf ein Vorstellungsgespräch vorzubereiten, Gespräche mit dem Arbeitgeber zu führen oder den Arbeitsplatz an bestehende Beeinträchtigungen anzupassen. Dieses sogenannte Jobcoaching findet in der Regel im Zusammenhang mit der allgemeinen Beratung statt. Unterstützend zur Seite steht uns dabei eine Fachanwältin für Arbeitsrecht. Das Jobcoaching ist ein bundesweites Projekt. In Schleswig-Holstein hatten wir zuvor schon das Projekt Arbeit und MS gestartet, das über fünf Jahre lief und für das wir uns viel Know-how von außen eingeholt haben.“

Ein zentraler Punkt des Jobcoachings, so Andreas Heitmann, ist die Organisation des Arbeitsalltags: Die DMSG Schleswig-Holstein unterstützt von MS Betroffene z. B. dabei, ihren Tagesablauf so zu gestalten, dass sich die Begleiterscheinungen der MS wie die häufig auftretende Fatigue nicht oder nur minimal auf die Arbeitsleistung auswirken. Zudem klärt sie über Umschulung und Fortbildung sowie die Möglichkeiten der medizinischen Rehabilitation auf, die dazu beitragen können, den erlernten Beruf weiter auszuüben.

„In manchen Fällen werden an MS Erkrankte jedoch auch bereits mit Ende 20, Anfang 30 erwerbsunfähig“, so Andreas Heitmann. „Das ist für viele Betroffene zunächst ein schwerer Schlag, denn der Beruf wirkt ja auch identitätsstiftend. In diesen Fällen heißt es, Alternativen zum Beruf zu finden, um den Tag sinnvoll zu gestalten. Eine Möglichkeit ist es, sich ehrenamtlich zu engagieren. Im Ehrenamt haben von MS Betroffene die Möglichkeit, sich ihre Zeit selbst einzuteilen und auch mal Nein zu sagen, wenn der gesundheitliche Zustand ein Engagement nicht erlaubt. Ich kenne Betroffene, die wegen der Erwerbsunfähigkeit zwar über weniger Geld verfügen, ihr Leben aber insgesamt als ausgefüllt und befriedigend empfinden.“

Das Jobcoaching richtet sich nicht nur an von MS betroffene Arbeitnehmer, sondern auch an Arbeitgeber, die MS-Kranke beschäftigen. „Die DMSG berät Arbeitgeber z. B. dazu, welche finanzielle Förderung Unternehmen erhalten können, wenn sie behindertengerechte Arbeitsplätze schaffen, und welche Möglichkeiten Unternehmen haben, ihre Mitarbeiter mit MS zu unterstützen. Denn in Zeiten des Fachkräftemangels kann es auch für Unternehmen problematisch sein, eine fähige Kraft zu verlieren, weil sie an MS erkrankt ist.“

Rückmeldungen über die Erfolge des Jobcoachings erhält die DMSG Schleswig-Holstein auch. „Wir haben oft engen Kontakt zu den Menschen, die zu uns in die Beratung kommen, und erfahren dann z. B., wie das Bewerbungsgespräch gelaufen ist“, sagt Andreas Heitmann.

Jobcoaching ist jedoch nur eine Facette der Arbeit der DMSG Schleswig-Holstein. „Wir unterstützen u. a. zahlreiche Projekte, die sich mit Sport und MS beschäftigten. Ein sehr niedrigschwelliges ist dabei das Groundkeeper-Projekt. Dabei handelt es sich um eine Website, auf der von MS Betroffene andere Menschen finden, mit denen sie zusammen Sport treiben können – in der Gruppe oder allein, mit ebenfalls Betroffenen oder Nichterkrankten. Am Projekt „Plan Baby“ des DMSG-Bundesverbands, das sich an MS-Betroffene mit Kinderwunsch und an MS-erkrankte junge Eltern richtet, beteiligt sich die DMSG Schleswig-Holstein ebenfalls. Und natürlich bieten wir Sozial-, Rechts- und Pflegeberatung, ebenso psychologische Beratung. Daneben unterstützen wir die Arbeit der Kontaktkreise und Selbsthilfegruppen in Schleswig-Holstein.“

Die DMSG Schleswig-Holstein hat ca. 2.000 Mitglieder, darunter rund 1.800 Erkrankte, 180 bis 190 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und listet rund 60 ehrenamtliche Angebote für ganz Schleswig-Holstein auf.

Quelle: Befund MS 3/2019

10.02.2020
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