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Paravasation bei der Chemotherapie bei Krebs

Bei einer Chemotherapie, die intravenös verabreicht wird, kann es in 0,1–6 % der Fälle zu einem Paravasat kommen. Unter Paravasation versteht man den unbeabsichtigten Austritt von Injektions- oder Infusionsflüssigkeit aus der Vene in das umliegende Gewebe. Diverse Faktoren können dazu beitragen, dass es zum Paravasat kommt.

„Das Risiko für ein Paravasat steigt deutlich, wenn das Medikament periphervenös verabreicht wird. Bei einem Portkatheter, dies ist ein subkutaner, dauerhafter Zugang zum venösen Blutkreislauf, ist das Risiko hingegen deutlich geringer“, erklärt Jürgen Barth, Gießen. Patientenabhängige Faktoren, wie Übergewicht und schlechte Venenverhältnisse können auch dazu beitragen, dass das Medikament nicht richtig verabreicht wird. Natürlich kann es im Krankenhausalltag auch zu Unfällen kommen, indem die Vene nicht richtig getroffen wird.

„Je nach Substanz kann es zu Gewebsnekrosen kommen. Im schlimmsten Fall kann es passieren, dass die betroffene Extremität amputiert werden muss. Auch wenn ein Port i. d. R. sicherer ist, kann auch ein Port mal kaputt gehen und im schlimmsten Fall kann dann die gesamte Flüssigkeit in den Brustraum auslaufen“, erläutert Barth. Aber nicht bei jedem Zytostatikum kann es zu einem Paravasat kommen. So gibt es Medikamente, die subkutan oder intramuskulär verabreicht werden. „Die Nebenwirkungen, die auftreten können, sind stark von der Substanz abhängig.“, sagt Barth.

Behandlung bei einem Paravasat

Um ein Paravasat zu vermeiden, müssen Patientinnen erste Warnzeichen wahrnehmen und sofort dem behandelnden Arzt mitteilen. „Erste Hinweise sind, wenn die Patientin an der Infusionsstelle einen Druck bemerkt. Das passiert nämlich, wenn die Flüssigkeit in das umliegende Gewebe läuft. Außerdem kann es zu einem Brennen oder Stechen kommen“, erläutert Barth. Sobald Substanzen verabreicht werden, die u. U. die Entstehung eines Paravasats begünstigen, ist der Arzt verpflichtet, die Patientin über mögliche Risiken aufzuklären und sie darauf hinzuweisen, dass sie sofort einem Arzt Bescheid sagt, sobald sie eine Auffälligkeit bemerkt.

Eine schnelle Reaktion kann helfen, Schlimmeres zu vermeiden. „Wenn die Patientin schnell bemerkt, dass etwas nicht stimmt, sollte sie sich sofort bei der Pflege oder beim Arzt melden. Die Infusion wird umgehend gestoppt und man versucht noch im liegenden Zugang, der Patientin so viel Flüssigkeit wie möglich wieder rauszuziehen. Anschließend wird die Extremität ruhiggestellt. Ggf. kann ein Unfallchirurg versuchen, so viel Flüssigkeit wie möglich rauszuspülen“, sagt Barth. Es gibt auch noch sehr unspezifische Antidota, die verabreicht werden können, z. B. Penetrationsbeschleuniger, die auf die betroffenen Stellen geträufelt werden können. Die sollen dafür sorgen, dass das Zytostatikum aus dem Gewebe in das venöse System geleitet wird.

Sobald eine Gewebsnekrose entsteht, kann diese nur abgetragen werden. Im Anschluss verbleiben Narben und u. U. Funktionseinschränkungen. „Für ganz bestimmte Substanzen gibt es Gegenmaßnahmen: Trockene Wärme oder Kühlung, die den systemischen Abtransport fördern. Ein Okklusionsverband darf auf keinen Fall angelegt werden, weil das Risiko besteht, dass es zu einem Wärmestau kommt. Der Arm oder die betroffene Stelle darf nur locker abgedeckt werden“, sagt Barth. Auch vorbeugend sollten bestimmte Maßnahmen berücksichtigt werden. „Derjenige, der eine Infusion anlegt, muss genau wissen, welche Medikamente gefährlich sind. Es muss auch immer geprüft werden, ob über den Zugang auch Blut entnommen werden kann. Der Zugang sollte auch immer an einer gut beleuchteten Stelle gelegt werden und nicht bei schlechten Lichtverhältnissen“, sagt Barth.

Quelle: Leben? Leben! 3/2014

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