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Was ist das Fatigue-Syndrom bei Krebs?

Der Begriff Fatigue beschreibt eine tiefe, quälende Form der Erschöpfung bei Krebspatienten. Die Deutsche Fatigue Gesellschaft (DFaG) definiert diese nach dem amerikanischen Krebsforscher David Cella folgendermaßen: „Die Tumorerschöpfung, auch Fatigue genannt, bedeutet eine außerordentliche Müdigkeit, mangelnde Energiereserven oder ein massiv erhöhtes Ruhebedürfnis, das absolut unverhältnismäßig zu vorangegangenen Aktivitätsänderungen ist.“

Wie die DFaG betont, ist die Fatigue eine krankhafte Form der Ermüdung, die von den Betroffenen als enorme Belastung erlebt wird und ihr Leben stark einschränkt. Die Dinge, die man üblicherweise bei Müdigkeit unternehmen würde, helfen nicht, z. B. schlafen oder andere Formen der Erholung. Fatigue ist zudem multifaktoriell bedingt – es gibt nicht nur eine Ursache.

Ursachen

Bei der Entstehung spielen wahrscheinlich die Krebserkrankung selbst, die verschiedenen Krebsbehandlungen wie Chemo- und Strahlentherapie sowie Immuntherapien, Schlaf- und Bewegungsmangel sowie seelische oder soziale Faktoren eine Rolle, so der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Laut der DFaG kann es durch die Krebstherapien zu Veränderungen im Blutbild kommen – bei einer Anämie sind die roten Blutkörperchen reduziert, was die Sauerstoffversorgung im Körper erschwert und die Fatigue mitverursachen kann.

Therapiemöglichkeiten

Bei der Behandlung der Fatigue kann man nach Angaben der DFaG zwischen medikamentösen und nicht-medikamentösen Methoden unterscheiden. Liegt z. B. ein gesicherter organischer Befund vor, ist es sinnvoll, diese Störung als Ursache zu behandeln, beispielsweise eine Anämie oder andere Stoffwechselstörungen. Hier kommen dann entsprechende Medikamente zum Einsatz. Ist dies nicht der Fall, unterscheidet man laut DFaG drei Bereiche bei der Ursachensuche bzw. bei der Behandlung: den körperlichen, den emotionalen und den mental-kognitiven Bereich.

Im körperlichen Bereich können Sport und Bewegung dazu beitragen, die Fatigue zu mindern, da erhöhte Fitness die Leistungsfähigkeit der Patienten i. d. R. verbessert. Daher kann eine körperliche Fatigue durch Training meist reduziert werden.

Im emotionalen Bereich sind vor allem Stimmung, Motivation und Antrieb von der Abgeschlagenheit betroffen. Hier gibt es laut DFaG keine eindeutigen Therapieansätze. Studien, in denen Antidepressiva gegeben wurden, brachten keine überzeugenden Ergebnisse. Auch Psychotherapie ist eine Therapiemöglichkeit, beispielsweise Gesprächs- und/oder Verhaltenstherapien. Dabei sollen Verhaltens- und Erlebensmuster der Betroffenen günstig beeinflusst werden, sodass die Fatigue gemildert wird.

Im mental-kognitiven Bereich leiden die Betroffenen besonders unter Konzentrationsstörungen und kognitiven Einschränkungen – sie können sich Dinge schlechter merken, ihre Aufmerksamkeit ist geringer. In wissenschaftlichen Studien wird laut DFaG der Einsatz von sog. Psychostimulanzien untersucht, was aber noch keine allgemeine Empfehlung ist. Auch der erfolgreiche Einsatz von Verhaltenstherapie bei mental-kognitiven Einschränkungen ist nicht belegt und bleibt abzuwarten.

Neuere Ansätze

Neuere Ansätze bei der Behandlung von Fatigue konzentrieren sich auf biochemische Vorgänge im Körper, die zu einer Fatigue beitragen können. Dass die Chemotherapie (Tumor)-Zellen schädigt und zerstört, ist eine ihrer Hauptwirkungen – doch auch gesunde Zellen sind davon betroffen: So gibt es Hinweise darauf, dass die Fatigue auch mit einer Schädigung der Mitochondrien zusammenhängen könnte. Mitochondrien sind „Energiekraftwerke“ der Zellen, die das sog. Adenosintriphosphat (ATP) produzieren. Eine Untersuchung zeigte beispielsweise, dass eine gestörte Mitochondrienfunktion, insbesondere im Zusammenhang mit dem ATP-Gehalt bzw. dem ATP-Transfer der Zellen, und der Schweregrad der Fatigue miteinander korreliert waren.

Auch das Antioxidanz Glutathion könnte beim Fatigue-Syndrom eine Rolle spielen. Antioxidanzien können die Zellen vor freien Radikalen schützen und damit auch vor Zellschäden bewahren. Glutathion, ein Co-Enzym, das sich aus den Aminosäuren Glutamin, Cystein und Glycin zusammensetzt und wichtig für die Vitalität und Funktionsfähigkeit der Zelle ist. Normalerweise kann man seinen Glutathion-Bedarf durch gesunde Ernährung durchaus decken, z. B. indem man ausreichend frisches Obst und Gemüse und Fleisch isst. Unter Chemotherapie kann es jedoch zu einem Glutathion-Mangel kommen – der Energiestoffwechsel der Zelle ist gestört, was zur Fatigue betragen kann.

Ein weiterer Ansatz ist die Behandlung mit Ginseng: Wie das Deutsche Ärzteblatt berichtet, wurde hierzu eine Studie auf dem ASCO-Kongress 2012 vorgestellt. Amerikanische Forscher behandelten 364 Krebspatienten, von denen ein Teil ein Ginseng-Präparat erhielt, der Rest ein Placebo. Die Ginseng-Gruppe hatte nach vier Wochen eine deutlich geringere Fatigue-Ausprägung, nach acht Wochen war dieser Zusammenhang noch stärker. Auch die Pharmazeutische Zeitung berichtet von Erfolgen bei der Fatigue-Behandlung mit verschiedenen Ginseng-Präparaten. Bei der Behandlung mit Rotem Ginseng wurden positive Effekte deutlich, die Ergebnisse sind vielversprechend, da sich eine Verbesserung der Fatigue bei sehr guter Verträglichkeit zeigte. Auch der sog. Amerikanische Ginseng zeigte positive Effekte auf Krebspatienten mit Fatigue.

Insgesamt, so betont die DFaG, ist die Fatigue nicht nur ein vielschichtiges, sondern auch ein individuelles Krankheitsbild. Daher macht eine individuelle Beratung für Betroffene Sinn, in die auch Angehörige und das Umfeld einbezogen werden sollten.

Quelle: Befund Krebs 4/2014

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