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Keine Spur von Traurigkeit

Aufmerksam machen, informieren und motivieren – diese Ziele hatten sich die Veranstalter des diesjährigen Welt-MS-Tags in München gesetzt. Für Befund MS war der Besuch der Veranstaltung vor allem die Gelegenheit, Menschen zu treffen, die auf ganz unterschiedliche Art und Weise mit ihrer Erkrankung umgehen und dabei ganz viel zu geben haben.

Trotzdem war es etwas Lebloses, das die Blicke als Erstes auf sich zog: Ein begehbares Gehirn, das durch Leuchtdioden anzeigte, in welchen Arealen welche Funktionen lokalisiert sind, und welche Auswirkungen verschiedene Erkrankungen im Gehirn haben. Wem das zu abstrakt war, der konnte sich bei der Wanderausstellung der DMSG mit Fotos, Texten und Filmen über die Entstehung und Abläufe der MS informieren.

Hoch hinaus

Und jeder von ihnen hat wohl seine eigene Bewältigungsstrategie – genau darauf kam es beim Welt-MS-Tag an: zu zeigen, dass man mit der Krankheit nicht nur irgendwie überleben kann, sondern dass man umso besser damit lebt, je aktiver man damit umgeht. Manche nehmen das ganz schön wörtlich und kommen damit hoch hinaus: etwa Markus Hermann, Mitglied im Kuratorium für Prävention und Rehabilitation an der Technischen Universität München und aktiv bei „MS on the Rocks“. Jede Woche trifft sich die gar nicht mehr kleine Gruppe der kletterbegeisterten MS-Kranken an den Kletterwänden und alle sind begeistert von der therapeutischen Wirkung dieser Sportart. Denn das Gute am Klettern ist, dass individuelle Leistungsgrenzen, die bei chronischen Kranken eine noch größere Rolle spielen als beim Gesunden, sehr gut berücksichtigt und eingehalten werden können.

Nimms leicht

Phil Hubbe wollte auf ganz andere Weise hoch hinaus und hat es geschafft – durch die hohe Kunst des Humors, die genau da anfängt, wo anderen das Lachen vergeht: nämlich beim eigenen Schicksal. 1985 kündigte sich der erste MS-Schub durch eine Sehnervenentzündung an, drei Jahre später erhielt er mit 22 Jahren die Diagnose. Er hat dann vom geplanten Grafikstudium Abstand genommen, zeichnete aber weiter. 1992 gelang ihm der Durchbruch als Zeichner. 2002 belegte er beim Deutschen Preis für die politische Karikatur den dritten Platz. Sein liebstes Genre ist aber die „Behindertenkarikatur“. Ein naturgegeben sensibles Thema, mit dem kaum Geld zu verdienen ist, in dem er aber künstlerisch ausleben kann, was ihm besonders am Herzen liegt. Und schließlich hilft sein Humor nicht nur ihm selbst, das eigene Schicksal zu bewältigen, sondern – wie die große Resonanz vor allem vonseiten Betroffener zeigt – auch vielen anderen.

Ganz schön schrill

Auf der anderen Seite der Schrannenhalle zieht signalbunt eine andere Welt die Aufmerksamkeit auf sich. Zwischen ihren farbenfrohen Bildern fasziniert eine zierliche junge Frau mit pinkfarbenen Haarstähnen unter einer weißen Wollmütze und einem zurückhaltenden Lächeln auf den Lippen: Maren Valenti. Die PopArt-Ikone aus Mannheim hatte es als Eishockeyspielerin bis in die deutsche Nationalmannschaft geschafft und nahm 2002 bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City teil. „Da fing es plötzlich an, ich bin mehrmals gestolpert und wurde schließlich nach 13 ½ Jahren aus der Nationalmannschaft entlassen“, erzählt die 33-Jährige. Dass die fatalen Gleichgewichtsstörungen krankheitsbedingt waren, wurde erst vier Jahre später erkannt, als schließlich die Diagnose MS gestellt wurde. Auf die Frage, ob sie in ihren Bildern ihre Krankheit verarbeite, wehrt sie entsprechend ab: Nein, sie fühle sich nicht krank. Auf einer Skala von eins bis zehn sehe sie sich ganz oben, bei den Gesunden. Und auch, wenn man nicht wisse, was die Zukunft bringe – sie lasse sich nicht kleinkriegen! Obwohl die Malerei ihr Beruf ist, hat sie sich doch nicht ganz vom Sport verabschiedet und trainiert seit letztem Jahr die Kurpfalz Ladies Mannheim im Eishockey. Dass ihre Gelassenheit und ihre Energie von ganz innen kommen, beweisen ihre ausdrucksstarken, lebendigen Gemälde in ihrem ganz eigenen Comic-Stil.

Quelle: Befund MS 3/2010

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