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Mit MS offen umgehen oder nicht?

Nach der Diagnosestellung fragen sich viele Betroffene, ob sie ihren Freunden und Bekannten und/oder ihrem Arbeitgeber erzählen sollen, dass sie an MS erkrankt sind. Ein Patentrezept gibt es dafür nicht. Es kann vorteilhaft sein, offen mit der Krankheit umzugehen, denn es tut gut, mit anderen über die Probleme zu sprechen, die MS mit sich bringt. Doch natürlich besteht auch die Gefahr, dass Menschen sich abwenden, z. B. weil sie nicht damit umgehen können, dass ihr/e Bekannte/r in Zukunft möglicherweise weniger belastungsfähig sein könnte.

Spätestens, wenn sich MS-Symptome zeigen (z. B. Gehstörungen), sollten Betroffene offen über ihre Krankheit sprechen. Denn sonst könnten die mit der MS einhergehenden Beschwerden falsch gedeutet werden.

Nach der Diagnose

Die Diagnose ist für die meisten MS-Patienten ein Schock – auch dann, wenn vieles bereits auf MS hingedeutet hat. Denn jetzt ist endgültig klar, dass sie von einer bislang unheilbaren Krankheit mit unabsehbaren Folgen betroffen sind. In der ersten Zeit nach der Diagnose kreisen die Gedanken daher häufig um die MS. Da ist es gut, mit anderen über die eigenen Gedanken, Ängste und Wünsche sprechen zu können. Allein schon, um dem eigenen Gedankenkarussell zu entfliehen und neue Perspektiven zuzulassen. In der Regel sind zunächst die engsten Angehörigen die wichtigsten Ansprechpartner. Doch auch der Lebenspartner, die Kinder, die Eltern und Geschwister sind nur begrenzt belastungsfähig, denn sie müssen die Diagnose zunächst ebenfalls verkraften.

Deshalb kann es sinnvoll sein, anderen Menschen, die weniger „nah dran“ sind, von der Krankheit zu berichten. Allerdings muss man sich darüber im Klaren sein, dass die Nachricht über die Erkrankung unter Umständen weitere Kreise zieht. Nicht allen Freunden und Bekannten gelingt es, gegenüber anderen zu schweigen. Hinzukommt: Es kann passieren, dass sich manche vermeintlichen Freunde abwenden.

Muss der Arbeitgeber informiert werden?

Die Antwort auf diese Frage ist ein klares Jein. Betroffene müssen nur Auskunft über ihre gesundheitlichen Probleme geben, wenn diese im Rahmen ihrer Tätigkeit eine Gefahr für andere darstellt. Es bleibt also (fast) jedem Betroffenen selbst überlassen, ob er dem Arbeitgeber mitteilt, an MS erkrankt zu sein. Wer Angst um seinen Arbeitsplatz hat, sollte seine Krankheit daher zunächst besser verschweigen. In vielen Fällen kann es dennoch sinnvoll sein, z. B. wenn die Einschränkungen durch die MS Anpassungen des Arbeitsplatzes erfordern, damit eine Weiterbeschäftigung möglich ist. Spätestens, wenn MS-Patienten als schwerbehindert anerkannt sind, sollten sie ihren Arbeitgeber in Kenntnis setzen. Denn Schwerbehinderte haben einen verbesserten Kündigungsschutz und ein Anrecht auf Zusatzurlaub.

Auch beim Vorstellungsgespräch ist es nicht notwendig, die Erkrankung offenzulegen. Können jedoch bereits vorliegende körperliche Beeinträchtigungen dazu führen, dass die Tätigkeit nur eingeschränkt ausgeübt werden kann, hat der Arbeitgeber die Möglichkeit, im Nachhinein den Arbeitsvertrag anzufechten.

Quelle: Befund MS 3/2019

30.06.2020
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